Über

Gestatten, mich vorzustellen: freundlicher, lustiger Kerl mit geringer Statur und grosser Klappe. An dieser Stelle sollten jetzt meine sportlichen Erfolge und Auszeichnungen stehen. Aber ausser einer Teilnahme- Urkunde des deutschen Sportfestes 1998 habe ich da nichts vorzuweisen.

Alter: 35
 


Werbung




Blog

Die Halbwertszeit von Onlinedates

Willkommen zur neuen Vorlesungsreihe: " Online von 0 bis 100". Diesmal geht es mir um die Halbwertszeit von Onlinedates. Und ja, das Potenzial, eine Frau zu daten, zerfällt ähnlich schnell, wie eines dieser seltenen radioaktiven Isotope, die schon nach Sekunden verschwinden.

Man ist auf einer Dating App- es kommt zu einer Übereinstimmung und dann schreibt man sich. Soweit, so gut. Einige würden jetzt sofort an Tag 1 nach einem Treffen fragen. Das kann man natürlich vergessen. Allerdings sollte man es nicht über eine Woche kommen lassen. Dann sackt ihr Interesse nämlich wieder ab.

Hat sie jemand anderen? Möglich.

Denkt sie, du hast kein Interesse? Möglich.

Hat sie festgestellt, dass du nicht ihr Typ bist? Vermutlich.

Weiß sie, dass du mit ihr schreibst, während du auf der Toilette sitzt? hoffentlich nicht!

Natürlich bekommt man kein Feedback oder einen kurzen Befragungsbogen, woran es denn nun eigentlich gelegen hat. Immerhin ist dir im Internet niemand Rechenschaft schuldig.Und so wird aus den ersten paar Tagen emsigen Tippens und Guter-Nacht-Wünsche nur noch eine Konversation aus dem notwendigsten. Fast so, wie bei den Eltern eben.

Wenn man dann selbst nichts mehr unternimmt, schläft die Sache eben in der zweiten Woche spätestens ein. Für gewöhnlich frage ich nach 1 bis 2 Tagen nach einem Treffen. Blockt sie ab oder hat Ausreden, dann war es das dann auch.

Klar, ich könnte ein verrückter Killer sein. Ich könnte pervers oder gefährlich sein. Deshalb lade ich sie ja auch nicht zum ersten Date zu mir ein. Ich wähle einen öffentlichen Platz oder ein Café. Da sind genug Zeugen. Sagt sie noch immer nein, dann hat sie eben keine rechte Lust.

Also besser hier den Cut machen, bevor man zu viel Zeit und Hoffnung investiert.

Am Anfang hat man sich so vieles zu erzählen. "Was du magst auch Filme mit Dwayne Johnson? Cool! Du magst auch Achterbahnen und Spaghettieis? Du bist mein Seelenverwandter."

Sollte es tatsächlich zu einem Treffen kommen, hat man wenigstens eine Chance. Dates sind interessant. Man lernt viel über die Wirkung, die man hat, oder eben nicht hat. Zwar gibt es hier auch keine Garantien. Aber im schlimmsten Fall war man einfach was trinken mit einer netten Begleitung.

4.8.16 00:44, kommentieren

Freundebleiben

Per Definition ist Wahnsinn, wenn man stets das gleiche tut aber ein anderes Ergebnis erwartet. So fühle ich mich jetzt auch. Wahnsinnig. Wieder hat ich eine tolle Frau kennengelernt. Wir waren auf einer Wellenlänge. Es gab nichts, worüber wir nicht sprechen konnten. Filme, Nerdstuff, Sex, was uns in den Sinn kam. Es begann in mir zu rattern.

Ich war verliebt. Mein Vorgehen hatte uns näher gebracht. Dachte ich. Ich kann nicht einfach einer fremden Person sagen, dass ich sie liebe. Wie kann ich auch jemanden lieben, den ich nicht kenne?

Was jetzt jedoch passierte, zeigt, dass meine Strategie vollkommen schädlich ist.

Wir freundeten uns an, verbrachten viel Zeit. Ich war in ihrer Friendzone angekommen. Das wars- game over.

Zwar hatte ich ihr nie gesagt, was ich empfinde aber in einem Gespräch kam es heraus. Sie fängt nix mit Freunden an. Wenn sie sich einfach jemandem öffnet, dann kann daraus keine Beziehung werden. Es würde zerbrechen.

Wäre ich ein Fußballer, würde mir mein Trainer mit dem Spielplan auf den Kopf hauen. Statt ein Tor zu schießen, freunde ich mich bloß mit dem gegnerischen Torwart an. So gewinnt man gar nichts.

Bei einem Cocktail fragte ich, was sie optisch von mir denkt. Was folgte, war ein halbstündiger Exkurs in Ernährungsberatung und der Bitte, doch weniger Sport für die Arme und mehr für den Bauch zu tun oder besser gesagt DAGEGEN!

Ich wurde still, schaute sie nur noch ruhig an. In mir ist gerade etwas kaputtgegangen. Zu Hause schaute ich auf meinen Bauch. Ich hatte Hass auf meinen Körper. Weil ihn auch sonst keiner zu mögen scheint. Selbst bei Leuten, mit denen ich mich geistig verbunden fühle, steht ein Bauch. Am nächsten Morgen startete ich meine Kalorienzählerei und ging laufen im Park. "Sei wie du bist." Eine Lüge, die ich nicht mehr ertragen kann. Es müsste heißen: " Sei nur dann wer du bist, wenn du dabei gut aussiehst."

2 Kommentare 13.7.16 11:54, kommentieren

Mach's dir einfach selbst!

Ja, ich weiß, es klingt nach Masturbation. Aber geht es nicht immer darum, sich ständig selbst zu befriedigen? Jetzt nicht sexuell gesprochen, sondern einfach im Sinne, sich selbst etwas Gutes zu tun. Nicht nur ständig an sich herum zu spielen, sondern sich auch kleine und große Wünsche erfüllen. Mal das Lieblingsgericht kochen, den neusten Kinofilm in 3D sehen oder den Lieblingsort zu besuchen.Statt also zu Hause herum zu schmollen, dass mich keiner lieb hat,habe ich mich für einen Urlaub entschieden.

Bisher bin ich noch nie alleine verreist. Vor vier Jahren stieg ich erstmals in ein Flugzeug Richtung Sonne. Neben mir, meine damalige Freundin. Ich war glücklich und erkannte, dass Reisen in der Tat beflügelt. Doch wie geht das alleine?

Bevor ich mehr contra als pro auf meiner Liste hatte, habe ich aus dem Affekt heraus gebucht: Rom- die ewige Stadt.

Würde ich überhaupt alleine den Antrieb finden, mich alleine auf Entdeckungstour zu begeben?

Würde ich angesichts der vielen Paare, die Händchenhaltend durch die Weltmetropole schlendern nicht den Verstand verlieren?

Würde ich mich nicht allein im Hotelbettchen in den Schlaf weinen?

Aber wie sagte meine Mutter bereits? " Versuch macht klug!"Und so packte ich den Bugatti- Koffer aus der Kaufland Treuepunktaktion, nahm meinen ADAC Reiseführer und flog mit Air Berlin von Berlin Tegel nach Rom- Fiumicino.

In den sieben Tagen habe ich tatsächlich die Stadt von oben bis unten erkundet, Bilder geschossen, kleine Videos gedreht und hin und wieder die italienische Küche genossen- la dolce vita!

Zwar saß ich abends einem leeren Stuhl im Restaurant gegenüber und aß in der Anwesenheit von Abwesenheit, doch so kam ich mit anderen Reisenden ins Gespräch. Trotzdem ging mancher Bissen meiner Tiramisu- Torte etwas schwerer die Kehle hinab. Ich saß nicht bei Kerzenschein in der milden, mediterranen Frühlingsbrise und sah in warme Augen, die mich voller Liebe anblickten.

Doch sieht man davon ab, habe ich mir selbst gezeigt, dass der Schlüssel zum eigenen Glück nicht in den Händen einer anderen Person liegt. Ich konnte nach meiner Rückkehr viel Gutes berichten. Hatte Abenteuer erlebt, schöne Dinge gesehen und viel Erfahrung gesammelt. Ist es nicht das, was einem bei einem ersten Date gut als Gesprächsthema dient? Von daher kann ich es jedem empfehlen, auf niemanden zu warten und endlich die Dinge zu tun, nach denen einem der Sinn steht. Nächstes Jahr möchte ich nach London und ich werde mich in einem Tanzkurs für Salsa anmelden. Vielleicht habe ich dann noch mehr zu erzählen und werde eines Tages voller Stolz auf diese Entscheidungen zurückblicken.

Amen.

4.6.16 20:05, kommentieren

Einkaufen ohne Internet

Alle Monate wieder zieht es mich von der Großstadt zurück in die Kleinstadt. Von einer halben Million Einwohner zu weniger als 8000. Warum? Weil dort meine Eltern wohnen. In dem letzten Stück Heimat, in der ich als Kind noch im Wald gespielt habe, zur Schule ging und mein erstes Mal hatte. So was und die Tatsache, dass hier bereits vier Familienmitglieder begraben liegen, verbindet einen mit einem Ort, den man sonst längst vergessen hätte.

Als man zum Studieren alles hinter sich ließ, um plötzlich allein in der großen Stadt zu stehen. Neue Möglichkeiten gab es zu entdecken und neue Menschen zu treffen. Doch trotz des neuen Lebensabschnittes, treibt es mich ein gutes Dutzend mal pro Jahr in die Behausung meiner Eltern zurück. Dort schaue ich meistens Fernsehen oder streichle die Katzen auf dem Sofa. Der Fernseher läuft immer. Ich bin das in meiner Wohnung nicht gewöhnt, dort schaue ich Netflix oder Youtube. Ich kaufe Filme, statt sie im Free TV mit 45 Minuten Werbung gucken zu müssen. Ich liebe Blu Rays und pfeiff auf Doku Soaps und Scripted Reality.

Und während der neue Superstar gecastet, Rütter einen Hund erzieht, irgendwer etwas kocht und der Knochenbrecher ein Pferd ausrenkt, läuft Werbung. Und zwar ohne Ende. Gut, die 0900er Werbung ist solange anregend, bis es dir Omas besorgen wollen, aber ansonsten fällt eines auf: fast alle Werbungen sind online Angebote! Von schreienden Schuhbestellerinnen, zwei sprechenden Kaptänsärmeln auf Billigflug, bis hin zum neusten Browsergame- alles ist online. Gut, meine Eltern nicht. Mein Vater weigert sich, eine email Adresse einzurichten, meine Mutter hat keine Verwendung für facebook und ich habe im Elternhaus auch kein WLAN. So muss sich das also anfühlen, wenn man von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Doch gerade dann erscheint ja diese Internetdienstleistungswerbetrommel so unglaublich nutzlos. Wie viele bestellen sich schon Wattestäbchen und Kniestrümpfe im Web? Klar, wo es keine Videotheken mehr gibt, wird ein Streamingdienst sehr attraktiv. Aber was, wenn die Leitungen bei spektakulären 6MBit pro Sekunde liegen? Dann ist man ganz schön am Arsch. Die nächste größere Stadt liegt eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt.

Das mag für mich zwar für ein Wochenende gehen, aber auf Dauer würde ich mich hier zu Tode langweilen. Hier, inmitten der Natur, brachliegender Industriegebiete und kleingeistigen Spießbürgern.

Trotzdem wird man mich am Samstag auf dem Bahnhof sehen. Auf dem Weg Richtung Heimat. Hach, wird das schön.

1 Kommentar 12.4.16 02:32, kommentieren

Wenn Freunde langweilig werden

Dies sollte keiner falsch verstehen: Freunde sind ein wertvolles Gut, dass das Leben bereichert. Wer Freunde hat, ist nicht allein. Doch wenn man älter wird, ändert sich plötzlich etwas entscheidendes. Freunde werden dann erwachsen! Ja, das Ausrufezeichen hätte noch drei weitere gebraucht, so schlimm ist das. ERWACHSEN!!!!!!!! Und jetzt alle: E-R-W-A-C-H-S-E-N!!!!!!!!

Plötzlich verändert sich die Gruppendynamik. Freunde werden Paare, sie grillen jetzt auf dem Balkon elektrisch und verkosten Wein auf einer Gartenmesse. Sie planen einen Wellness- Urlaub über die Feiertage mit Massagen und Schlammbädern. Sie sind früher mit dir Tanzen gegangen, haben im Pub gefeiert oder im Park gegrillt. Lagen auf Picknickdecken und blickten in den Sternenhimmel mit einer Flasche Wein in der Hand, aus der sie OHNE Glas tranken. Jetzt bauen sie IKEA- Wohnzimmer detailgetreu aus dem neusten Katalog nach. Bücherregale besitzen plötzlich pro Fach nur noch drei Bücher, eine Keramikkugel und eine Glaskatze. Dinge, die man nur noch kauft, weil sie als Dekoartikel schön aussehen.

In meiner alten WG hatte ich Filmposter an den Wänden. Von Filmen, die ich gerne mochte. Ein Blick darauf und ich fühlte das selbe, was ich beim Anschauen der DVDs schon spürte. Die Abenteuer von Frodo Beutlin oder CAPTAIN Jack Sparrow!

Jetzt, als Erwachsener hängt man sich den gerahmten Fotodruck eines namenlosen Strandes an die Wand. Ein Foto, dass man nicht selbst geknipst hat, von einem Ort, an dem man niemals gewesen ist. Das nennt sich dann Ästhetik. Und ich muss staunen, dass meine Rechtschreibprüfung bei Ästhetik keine Fehler angezeigt hat. Vermutlich kennen sich Rechtschreibprüfungen eben damit aus, mehr als mit Picknickdecke, denn das Wort kennt die Prüfung nicht. Also auch ein klarer Fall von einem erwachsenen Medium.

Und so saß ich zuletzt als einziger Single unter Paaren und grillte veganes Gemüse mit der Gemüsezange und wendete Fleisch mit der Fleischzange. Es war ein schöner Abend, aber eben auch ein Moment, der mich nachdenklich machte. Ich wusste plötzlich, warum ich so gerne mit jüngeren Leuten abhänge, die sich noch nicht häuslich eingerichtet haben, ihr Badezimmer noch mit Cartoons tapezieren oder noch keinen Kinderwunsch hegen. Vermutlich möchte ich mich als Mitdreißiger ohne Frau und Kind nicht wertlos fühlen, weil ich lieber Poster als Bilder an den Wänden habe und Actionfiguren den Glaskätzchen im Bücherregal vorziehe. Ob ich damit bei Frauen lande, sei dahingestellt, aber wenigstens komme ich mir somit in der eigenen Wohnung weniger fremd vor.

3 Kommentare 4.4.16 22:19, kommentieren

Das ideale Vorbild

Heute war es wieder soweit: ich scrolle gelangweilt durch die facebook- Historie und dann das! In einem Beitrag wird es bemängelt, wie weichherzig die Männer von heute sind. Auf der einen Seite steht Sean Connery im MAßanzug als James Bond an einem Luxusschlitten, im zweiten Bild ein tätowierter Typ mit Minions- T-Shirt. Darunter der Text: "Was ist nur aus den Männern geworden?" Wie bitte? Kennt jemand einen Mann aus der älteren Generation, der wie James Bond war? Ist das ein reales Rollenmodell? Konnte denn tatsächlich jemand im echten Leben das sein, was Sean Connery auf der Leinwand war? Und warum wurde ihm kein wirklicher Gegenpart von heute gegenübergestellt? Vin Diesel, The Rock oder Jason Statham vielleicht? Von mir aus Daniel Craig, der nun mal der aktuelle Bond ist. Und so schlecht schneidet er im Punkt Stil nicht ab. Ganz zu schweigen von den Muckis. Doch kann ich es nicht mehr hören! Ich selbst habe eben nicht den Traumkörper, bin nicht riesengroß und breitschultrig. Das nennt sich Genetik. Ok, das und Fastfood vielleicht.Diese Erwartungshaltung ist es ja gerade, wieso viele Männer einfach leer ausgehen. Man hat Erwartungen, die nicht erfüllt werden können. Armani Anzug: 990 Euro, Rolex Oyster Perpetual Explorer für 5000 Euro, Aston Martin V12 Vanquish S für nur 266.000 Euro- klar, das haben wir doch alle in der Portokasse. Geht's noch? Aber so ist das eben mit dem Vorbild- es ist unerreichbar. Ein Lebensstil, den keiner hat. Nicht einmal der Schauspieler. Auch Connery gibt die Autoschlüssel nach dem Dreh wieder ab. Klar, Viggo Mortensen, der Aragorn in Herr der Ringe gespielt hat, durfte sein Filmpferd behalten aber Michael Keaton ist bestimmt nicht mit dem Batmobil unterwegs zum Brötchen Einkaufen.Wann immer man auf einschlägigen Dating Apps die Profile der Damenwelt studiert, liest man viel von der "Alten Schule". Und die Tür aufhalten, ein Kompliment machen und ihr in den Mantel helfen, kann man auch ohne Luxusauto und Maßanzug. Oder habe ich da etwa den Zusammenhang falsch verstanden? Doch schon tut sich hier Problem Nummer Zwei auf! Echte Kavaliere landen unweigerlich in der Friendzone oder werden gleich als "zu nett und anständig" abgewertet. Quasi die unmännlichsten Männer der Männerwelt. Da kann man fast mit der Gegenfrage kommen, was aus den Frauen geworden ist. Auf der einen Seite wollen sie selbstbewusste, fitte Veganer sein und gleichberechtigt durchs Leben gehen- auf der anderen Seite suchen sie noch immer den Versorger, der die Finanzen im Griff hat. Den Big Spender, der bereits von Shirley Bassey besungen wurde.Gleichberechtigung am Arsch also. Welch Überraschung.Mein Vorbild sind dann doch lieber ältere Pärchen, die mit 70 Jahren noch Händchen halten und gemeinsam lachen. Auch Feuerwehrmänner oder Kinderärzte sind tolle Vorbilder und ein wenig auch mein alter Klassenlehrer. Das sind alles keine Agenten im Auftrag Eurer Majestät, dafür aber echte Menschen, die ein echtes Leben führen. Und wenn ich die Bondfilme genau schaue, sehe ich manchmal die Andeutungen, dass sich dieser markante Agent nur zu gerne mit seiner Liebsten zur Ruhe setzen würde. Aber das entspricht ja nicht diesem unglaublich dummen Bildvergleich auf facebook.

29.3.16 02:50, kommentieren

Die Sache mit dem Bart

Was tun, wenn man keine Frau hat, die einen küssen will? Richtig! Man(n) denkt darüber nach, sich einen Bart wachsen zu lassen. So ein richtiges Wikinger- Ding. Kein Gandalf- Rauschebart, eher ein Gimli- Gestrüpp mit der Option auf eine nette Flechterei. Nur Elben rasieren sich glatt wie Kinderpopos.Klar, wer heute so sein Auge durch die Männerwelt schweifen lässt, hat es längst bemerkt: Bart ist in. So in, dass man nur noch Frauen ohne sieht. Warum also nicht auch mitmachen und das Statement schlechthin abgeben. Als Single denkt man so, dass der Bart so was wie die Dornenhecke bei Rapunzel ist. Quasi ein Schutzwall, bis diesmal eine Prinzessin angeritten kommt, um mein Gesicht von der wallenden Haarpracht zu befreien. Nur halt nicht mit dem Schwert, sondern mit einer knatternden Haarschneidemaschine.Erste Gehversuche mit dem Gesichtswuchs hatte ich bereits vor Jahren. Ein kleiner Ziegenbart hier, etwas Kinnbart da- nichts spektakuläres. Doch so recht hatte ich mich nie getraut, das Gesicht hinter einer Matte zu verstecken. Wer mag, kann auf Youtube sehen, wie schnell man zum Wikinger wird. Mal nach 365 Tagen ohne Rasierer, dann zu Fuß von China nach Deutschland. Jeder hat andere Gründe, sich mal auf radikale Art zu verändern. Den Frauen und Kollegen scheint es jedenfalls, bis auf Ausnahmen zu gefallen. Es sieht männlicher aus, macht runde Gesichter etwas schmaler und hilft da, wo schütteres Haupthaar längst aufgegeben hat. Quasi als Frisur für Frisurlose. Doch der Weg ist schwer. Erstens, juckt und zwickt es mit der Zeit. Zweitens bleibt Essen dran hängen oder beim Naseputzen hat man da auch noch was lustiges am Kinn baumeln. Und Drittens gehört die gute Pflege auch dazu. Shampoo und Bartöl sollten ab einer gewissen Länge das kräuselige Gesichtsgestrüpp zu einem ansehnlichen Erlebnis machen und nicht den Eindruck vermitteln, auf einer einsamen Insel gestrandet zu sein. Und mit der passenden Brille, sieht man eben wie ein Hipster aus und das sollte ja bei manchen Frauen schon punkten.Doch einmal hatte ich Schwäche gezeigt und zu später Stunde zum Rasierbesteck gegriffen! Ich weiß, ein böser Fehler.Das Ergebnis war erschreckend. Ich sah wie so ein Pädophiler aus, der sich am Zaun eines Kinderspielplatzes versteckt und so komisch durch den Maschendraht atmet.Nach einigen Wochen war der Schaden jedoch wieder behoben und ich konnte mich wieder unter die Leute trauen. Odin sei Dank!

22.3.16 00:51, kommentieren

Die Mitte der 30

Es war in meiner Kindheit. Ich saß vor dem Fernseher und sah gerade Demolition Man. Ihr wisst schon, der Film, in dem Stallone eingefroren wird um im L.A. der Zukunft gegen den bösen Simon Phoenix zu kämpfen. Ich war gerade 12 Jahre alt. Sylvester Stallone war an der Spitze seiner Kraft und ich stellte ihn mir schon recht alt vor. Ich dachte, er sei 36 Jahre alt. Älter konnte ich mir einfach nichts, außer meinen Großeltern vorstellen. Tatsächlich zählte Stallone bereits dort, man staune, 47 Jahre! Also reichlich mehr, als anfänglich erwartet.Als Kind glaubte ich, dass man mit 36 so richtig erwachsen ist und alles tun kann, was man will. In wenigen Tagen werde ich 34. Das ist dem geschätzten Demolition Man Alter recht nah. Ich sehe zwar nicht so aus, dafür fühle ich mich auch nicht so. Aber wenn man so über das Alter nachdenkt und jüngeren erklären muss, was alles vor Pokémon im TV passiert ist, dann fühlt man sich schon an den Rand der Konsumgesellschaft gedrängt. Irgendwo zwischen Aragorn und Gandalf. Zwischen Wolverine und Xavier. Zwischen Bruce Wayne und Alfred. Ihr versteht es schon. Zwar glaube ich noch immer, dass mein Körper alles tun kann, was ich von ihm verlange- Extremsportarten, wie Treppensteigen, Schuhe zubinden und eine Alditüte tragen- doch sind die regenerativen Zeitphasen stellenweise schon etwas länger! Und dabei rauche ich nicht einmal. Doch wenn meine elektrische Zahnbürste in den Mund wandert und ich mich im Spiegel zu betrachten versuche, sehe ich Falten unter den Augen, graue Stoppeln an den Schläfen und einen nicht mehr ganz so frischen Kopfsalat. Vermutlich ist es gut, dass ich mich selbst im fahlen Licht der Discotheken nicht sehen kann. Ein rüstiger Kerl, der glaubt, zwischen Drittsemestern nicht sonderlich aufzufallen.Doch die Wahrheit ist, dass ich beim Einkaufen an der Kasse vorgelassen werde, ich konsequent gesiezt werde und man mich als jungen Mann betitelt. Ach du heilige Scheiße, womit habe ich das verdient. Wenn jetzt noch jemand in der Straßenbahn für mich aufsteht, dann gibt es Prügel. Doch man ist ja selbst nicht besser. Vor ein paar Tagen habe ich den neuen James Bond Film gesehen. Monica Belucci, das heiße Etwas aus Matrix Reloaded, hat hier eine kleine Szene. Und ich dachte nur: "Oh Mann, sie sieht schon etwas alt aus." Dabei sollte man immer noch verstehen, dass eine Frau, die schon Alkohol trinken darf und den Führerschein hat, fast zu alt für ein Bondgirl ist. Denn jede Dame in diesen Filmen ist an der Grenze zur Verführung Minderjähriger. Über James Bond sagt man da nichts. Obwohl Daniel Craig auch schon 48 ist. Gerade mal ein Jahr älter als der Demolition Man! Aber bei Männern ist es eben was anderes. Hab ich ein Glück.

11.3.16 12:18, kommentieren

Valentinstag ist durch!

Holdrio und Tralla- Li- Wir haben es geschafft! Der verhasste, pink gefärbte, Schokolade überzogene und Zuckerguss getränkte Tag der Liebe ist wieder einmal überstanden. Ja, schon vor einer Weile. Aber es ist Frühling! Zumindest wird in diesem Monat noch Frühling. Und was das bedeutet, dürfte jedem klar sein. Paare werden wie Fruchtfliegen auf einem Obstsalat auftauchen und durch Parks schlendern, in Einkaufspassagen turteln und sich bei einem Erdbeereisbecher mit Wunderkerze, tief in die Augen schauen. Oh, wie süß! Für wen ist das denn bitte kein inneres Einhorn- Streicheln? Naja, eben für mich. Und da bin ich eben altmodisch egoistisch. Klar sieht man die Sache als halbes Paar gelassen. Aber eben nicht als waschechter Single mit "Mich-will-doch-sowieso-Keine- haben-Einstellung". Da hat man Prinzipien und findet es eben scheiße, dass es anderen nicht scheiße geht. Natürlich wird das mit Frustgeschiebe und Trübsalgeblase nicht besser -hö hö, er hat Blasen gesagt- aber es ist eben schwer, dieser Tage noch optimistisch zu sein. Freunde fragen schon fast beiläufig, ob es was Neues gibt. Und bei dem Wort "Neues" wird meistens verstohlen gezwinkert und man sieht so ein freches Grübchen neben dem Mundwinkel des nervigen Fragers auftauchen. Nein, es gibt natürlich nichts Neues. Woher auch. Es läuft ja nicht wie bei den SIMS, wo es einfach an der Haustüre klingelt und man plötzlich eine bildhübsche Frau vor sich stehen hat, die Babys von mir will. Derart simpel geht es höchstens in Zoos zu. Immerhin habe ich in der Zeitung ein Bild von fickenden Affen gesehen, die da auf einer Gazelle balancierten, während sie dem Doggystyle frönten. Der Gazelle war das alles irgendwie egal und ich beneidete das Huftier um seine stoische Ruhe, wenn die Nachbarn schon wieder eine Etage über mir bumsen.Da hätte ich schon wieder Neid entwickelt, selbst wenn sich die laut quiekende Obermieterin als hässliches Etwas entpuppen würde. Zum Glück weiß ich es aber besser. Sie ist eine ultrascharfe Studentin, die ich sofort selbst zum Quieken bringen würde. Aber, außer ihre Blumen während ihrer Abwesenheit gießen zu dürfen, hatte ich mit ihr nicht viel zu tun. Schade, aber so ist das eben, bei Frauen der Marke charmant aber desinteressiert. Wie ich meinen Valentinstag verbracht habe? Ich saß mit meiner Katze auf dem Sofa und habe DVDs geschaut. Keine Liebesfilme, versteht sich. Ich bin ja nicht Bridget Jones mit einem Eimer Eis im Bett und weine bei "Schlaflos in Seattle".Eigentlich hatte ich Lust auf was ernsteres und schaute mir ein Drama an. Herzergreifend.

6.3.16 21:26, kommentieren

Ein Glühwein und eine Kugel bitte!

Ja, Weihnacht' ist. Jedenfalls, wenn man den Auslagen der Supermärkte glauben mag, die uns seit September mit Spekulatius, Dominosteinen, Marzipan und Stolle erfreuen. Aber wo soll die Vorfreude herkommen? Aus der Massenwerbung, die uns auf die höchste Form des Kommerz vorbereitet? Auf "Geiz ist geil", "Es lebe billig" und "So muss Technik"? Wohl eher nicht.Während auf den Weihnachtsmärkten bereits die drängelnden Menschenmassen mit Billigglühwein abgefüllt und mit Kräppelchen gemästet werden, liegt weder Schnee noch ist es wirklich kalt- Es hat eben nichts mit dem Weihnachten zu tun, das ich als Kind noch kannte.Vielmehr reibt sich der Einzelhandel die schwieligen Hände, in Erwartung der Hochzeit des Kaufrausches. Denn, wer seine Liebsten liebt, gibt viel Geld für sie aus. Und während sich Singles und kinderlose Paare eher mit Kleinigkeiten zufrieden geben, muss der gestandene Familienvater die Playstation und das Barbie- Traumhaus in den Einkaufswagenwagen werfen. Dafür erwarten ihn eine scheußliche Krawatte und ein hässliches Kinderbild. Und während die Mitarbeiter von Kaufhäusern jetzt schon wissen, dass sie an Heiligabend statt "Frohe Weihnachten, Kinder!" eher " Möchten Sie noch eine Tüte haben.", sagen werden, sollten sich auch die Atheisten fragen, was überhaupt aus dem harmlosen Weihnachtsfest geworden ist. Doch längst macht die Geldmaschine auch aus anderen Festen lukrative Kaufgründe. Halloween, Ostern und Valentinstag sind die neuen Weihnachtsersatzdrogen und lassen das Herz des Geldzählers frohlocken. Auch hier gilt, die Größe des eigenen Herzens am Preis der Mitbringsel zu messen. Nein, ich bin nicht in Weihnachtsstimmung. Nein, ich hasse die Weihnachtslieder im Radio und die Spendengalas, die jetzt verstärkt beworben werden. Bei "Last Christmas" von Wham! könnte ich kotzen und wenn der Coca Cola Truck durch die verschneiten TV- Alpen fährt, wünsche ich mir eine Autobombe! Doch da hilft nur Augen zu und durch. Immerhin will sich ja am 27. Dezember niemand mehr an Weihnachten erinnert haben. Ich geh dann mal ein Türchen im Kalender öffnen...Oh! Ein Schokoladenstiefel- wie originell.

5.12.15 02:04, kommentieren