Freundebleiben

Per Definition ist Wahnsinn, wenn man stets das gleiche tut aber ein anderes Ergebnis erwartet. So fühle ich mich jetzt auch. Wahnsinnig. Wieder hat ich eine tolle Frau kennengelernt. Wir waren auf einer Wellenlänge. Es gab nichts, worüber wir nicht sprechen konnten. Filme, Nerdstuff, Sex, was uns in den Sinn kam. Es begann in mir zu rattern.

Ich war verliebt. Mein Vorgehen hatte uns näher gebracht. Dachte ich. Ich kann nicht einfach einer fremden Person sagen, dass ich sie liebe. Wie kann ich auch jemanden lieben, den ich nicht kenne?

Was jetzt jedoch passierte, zeigt, dass meine Strategie vollkommen schädlich ist.

Wir freundeten uns an, verbrachten viel Zeit. Ich war in ihrer Friendzone angekommen. Das wars- game over.

Zwar hatte ich ihr nie gesagt, was ich empfinde aber in einem Gespräch kam es heraus. Sie fängt nix mit Freunden an. Wenn sie sich einfach jemandem öffnet, dann kann daraus keine Beziehung werden. Es würde zerbrechen.

Wäre ich ein Fußballer, würde mir mein Trainer mit dem Spielplan auf den Kopf hauen. Statt ein Tor zu schießen, freunde ich mich bloß mit dem gegnerischen Torwart an. So gewinnt man gar nichts.

Bei einem Cocktail fragte ich, was sie optisch von mir denkt. Was folgte, war ein halbstündiger Exkurs in Ernährungsberatung und der Bitte, doch weniger Sport für die Arme und mehr für den Bauch zu tun oder besser gesagt DAGEGEN!

Ich wurde still, schaute sie nur noch ruhig an. In mir ist gerade etwas kaputtgegangen. Zu Hause schaute ich auf meinen Bauch. Ich hatte Hass auf meinen Körper. Weil ihn auch sonst keiner zu mögen scheint. Selbst bei Leuten, mit denen ich mich geistig verbunden fühle, steht ein Bauch. Am nächsten Morgen startete ich meine Kalorienzählerei und ging laufen im Park. "Sei wie du bist." Eine Lüge, die ich nicht mehr ertragen kann. Es müsste heißen: " Sei nur dann wer du bist, wenn du dabei gut aussiehst."

13.7.16 11:54

Letzte Einträge: Blut auf der Tanzfläche, How to survive the Herbst, Zocken bis der Arzt kommt, Sag niemals nie!, Rettet den Baum, esst mehr Bücher!, No smoking

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Exhausted / Website (13.7.16 23:05)
Es liest sich so als wäre dir das erst kürzlich passiert. Deshalb: Kopf hoch! Ich erspar dir weitere Floskeln (außer diese eine und die ist ernst gemeint und damit in dem Sinne auch keine Floskel mehr).


Ich kenne dich nicht und deshalb ist es auch ziemlich einfach, recht objektiv über soetwas wie Aussehen und Figur zu schreiben. Wenn es nur darum geht, dass du einfach nur etwas mehr Bauch hast, sehe ich das Problem nicht. Wenn du stark übergewichtig sein solltest, sodass es auch gesundheitlich schon riskant und einschränkend ist, sehe ich es schon, aber ich glaube nicht, dass du dann einfach im Park eine Runde laufen gehen könntest...


Jeder Mensch möchte im Grunde nur geliebt werden und so angenommen werden, wie er ist. Ironischerweise glauben viele von uns gleichzeitig, dass sie so, wie sie sind, nicht angenommen und geliebt werden können.


Ich denke, letztendlich sollte es heißen: Sei nur dann, wer du bist, wenn du dich selbst so lieben kannst.
Und auch das ist schon fast wieder eine Floskel, aber nichts ist unattraktiver als ein Mensch, der mit sich selbst nicht im Reinen ist (und der kann meiner Meinung nach noch so einen makellosen Körper haben... Menschen, die sich selbst mögen, haben eine unwiderstehliche Anziehungskraft und da ist es ziemlich egal, ob derjenige ein paar Kilo am Bauch weniger haben könnte oder nicht. Menschen gehen eine Beziehung zu jemandem ein, weil ihnen das Gesamtpaket gefällt. Ich habe schon so viele Menschen kennen gelernt, die ich wahnsinnig attraktiv und anziehend fand, obwohl sie nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprachen (und andersrum kenne ich genug Menschen, die ihnen entsprechen, und nicht diese Wirkung auf mich haben).


Also bitte, wenn du abnehmen möchtest, um dich selbst gut zu finden, dann tu das.


Ich wünsche dir alles Gute!


myheadhurts (15.7.16 10:27)
Vielen lieben Dank, für die aufmunternden Worte. Tatsächlich passierte mir diese Situation einen Tag vorm Schreiben dieser Zeilen. DA war also alles noch ganz frisch. Es sind Kommentare wie deiner, die mir zeigen, warum ich darüber schreibe. Weil manchmal jemand kommt, der die Situation versteht und zeigt, dass ich mit diesen Dingen nicht alleine da stehe. Vielen Dank.

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