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    ist das das das eine mag



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Urlaub mit den Eltern

Gleichmäßig rollt der Wagen über die Autobahn. Durch den Fensterspalt der Fahrertür dringt ein stetiger Luftzug. Es ist warm. Meine Mutter konzentriert sich auf den zähen Verkehr, mein Vater tippt etwas ins Navigationsgerät ein und ich sitze auf der Rückbank und beobachte die vorbeiziehenden PKW.

Es ist, als wäre ich wieder ein Teenager, der mit der Familie in den Urlaub fährt, doch die Wahrheit ist: ich bin Mitte 30!

Wieso meine Eltern auf die Idee kamen, mich mit in den Urlaub zu nehmen, ist mir ein Rätsel.

Ist es Mitleid, weil ich sonst niemanden habe, um in den Urlaub zu fahren?

Versuchen sie, die verlorene Zeit der Familie wieder aufzuholen?Oder plagt sie das schlechte Gewissen, mit mir nie wirklich in den Urlaub gefahren zu sein?

Vermutlich eine Mischung aus beidem.

Nach einer mehrstündigen Fahrt erreichen wir unser Ziel: die Insel Rügen. In einem Wald betreten wir einen Bungalow, der den Charme vergangener Zeiten versprüht. Alles riecht etwas muffig und klamm- ich liebe es.

Nachdem die Taschen geleert und die Schränke gefüllt mit unseren Sachen sind, gehen wir in einem kleinen Gasthaus zu Abend essen. Es gibt Fisch mit Bratkartoffeln.

Als es ans Bezahlen geht, winkt mein Vater ab. Er übernimmt das, wie so ziemlich alles im Urlaub. Insgesamt habe ich vielleicht 20 Euro ausgegeben. Einen Sanddornlikör, einen National Geographic und ein Buch von Terry Pratchett aus der Wühlkiste habe ich mir gekauft. Der Rest meiner Mahlzeiten, Eintritte und Getränke haben meine Eltern mit einem beängstigenden Selbstverständnis übernommen.

Ich verdiene zwar mein eigenes Geld und komme auf den gleichen Lohn wie meine Mutter doch Sohn bleibt Sohn. Und so wandert mein Portemonnaie immer wieder unverrichteter Dinge zurück in die Hosentasche.

Wir besuchen ein Konzert in Ralswiek. Die Karten waren sicher teuer aber der Abend hat sich gelohnt. Meine Eltern scheinen ebenfalls glücklich zu sein. Ich fahre zwar nicht jedes Wochenende nach Hause aber meinen Weg ins Elternhaus finde ich nicht bloß an Feier- und Geburtstagen. Trotzdem sickert durch manchen Dialog dieser kleine Subtext, der fragt, wann ich denn endlich wieder nach Hause komme. Ich bin ja nur selten da.

Auf der Heimreise, vier Tage später rasten wir auf einem Autohof. Meine Mutter trinkt einen heißen Automatenkaffee um am Steuer nicht einzuschlafen. Sie raucht dabei und versucht sich für die nächsten Fahrstunden fit zu machen. Mein Vater ist in Gedanken bereits mit der Urlaubsplanung 2017 beschäftigt. Er fragt, ob ich wieder mitfahren möchte. Vielleicht dann in Begleitung? Er lächelt dabei leicht hoffnungsvoll. Ich winke ab und nenne ihn Optimist. Der Gedanke, bereits in einem Jahr eine Freundin zu haben, noch dazu eine, die mit meinen Eltern in den Urlaub möchte, ist mir genauso abwegig, wie Leben auf dem Mars.

Sie reden nicht viel von Enkeln und versuchen mich nicht unter Druck zu setzen. Aber manchmal merke ich, wie sie noch immer Hoffnung haben, bei meiner Hochzeit dabei zu sein oder ihren Enkel in den Armen zu halten. Es ist ein vages Stück Hoffnung. Ich habe sie längst aufgegeben. Aber meine Eltern eben noch nicht.

Wenn sie sich über die Reiseroute streiten, oder es Uneinigkeit über den Tagesplan gibt, dann halte ich mich zurück. Ich schätze, dass man so alt werden kann, wie man will, man bleibt im Beisein der Eltern immer ein kleines Kind

13.9.16 16:25
 
Letzte Einträge: How to survive the Herbst, Zocken bis der Arzt kommt, Sag niemals nie!, Rettet den Baum, esst mehr Bücher!, No smoking, Früher war alles...


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Exhausted (18.9.16 17:06)
Also ich möchte gern den Optimismus deines Vaters (und insgesamt deiner Eltern) teilen. Ein Jahr ist eine lange Zeit, da kann eine Menge passieren. Das ist über die Hälfte deiner Single-Zeit, die du offenbar als halbe Ewigkeit empfindest. So gesehen ist ein Jahr etwa ein Viertel Ewigkeit (eigentlich sogar nur etwa ein Drittel, wenn man es genau ausrechnet...). Im Gegensatz zu dir weiß ich nicht, warum es sich nicht in den nächsten 12 oder 20 Monaten ergeben sollte.
Ich freu mich für dich jedenfalls auf den Moment, in dem du einen Menschen kennenlernst, mit dem es passt.

Du hast den Eintrag übrigens wie so ziemlich immer ehrlich schön geschrieben!

Liebe Grüße

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