Blut auf der Tanzfläche

Naja, eher Bier. Man kennt das ja sicher, wenn man auf einem Bier getränkten Untergrund festzukleben droht.

Im Zuge der geistigen und auch körperlichen Zerstreuung zog es mich mit guten Freunden in den örtlichen Tanztempel. Ich glaube, der Begriff "Abhotten" zeigt, dass ich bereits zu alt geworden bin. Jedenfalls kehrte ich um Mitternacht bei einer Räumlichkeit ein, die den Tanz im Angebot hatte und dies mit ansprechender Musik zu untermalen suchte.

Man kann es einerseits als Anlass sehen, um eine Frau kennenzulernen, andererseits kann man es auch lassen. Immerhin bieten sich hier äußerst interessante Menschen, die es soziologisch näher zu betrachten gilt.

Typ 1 der Frauen scheint sich nicht der Tatsache bewusst zu sein, dass es in jenen Etablissements eine Garderobe gibt, die sich deiner Habseligkeiten für einen kleinen Obolus annimmt. So ist es also schwachsinnig, mit Rucksack oder Turnbeutel auf die Tanzfläche zu springen. So kommt man sich eher mit ihnen vor, auf den Zug zu warten oder wandern zu gehen.

Typ 2 bleibt meistens am Tanzflächenrand, nur um dann hysterisch zu kreischen, wenn "Ihr Lied" gespielt wird. Dann schieben sie alles gepflegt zur Seite, was nicht bei 3 an der Bar ist- Bäume gibt es ja in Discos so selten. Da verwandeln sich dann die Studentinnen in Gangsterrapper, wenn Kraftclub läuft. Mit der ewig gleichen Choreographie werden dann die Menschen in der Umgebung mit Ellbogen und Haaren im Gesicht erfreut.

Typ 3 hat dann gleich das Handy mitgebracht. Vermutlich läuft da entweder ein Anleitungsvideo, wie man auf der Tanzfläche richtig abgeht oder es wird der facebook- Status auf den neusten Stand gebracht. Wenigstens sorgt das Licht des Displays für gute Stimmung. Quasi ein Affenkino für unterwegs.

Typ 3 Gehört dann zu den Paartänzern, die ihrer Leidenschaft nachgehen, selbst, wenn auf einem Quadratmeter bereits 30 Menschen versammelt sind und nicht einmal mit dem Kopf wackeln können, ohne mit den Ohren an anderer Leute Brillen zu geraten. Trotzdem halten es jene Exemplare jetzt für die Gelegenheit, ihre Erkenntnisse des Sport- Rock'n'Roll vorzuführen. Mit beeindruckenden Hebetechniken und tollen Drehungen, wird so für oben erwähntes Blut auf der Tanzfläche gesorgt. Immerhin eitert ein Damenfuß nach einer Pirouette sehr schwerfällig aus dem Oberkiefer heraus.

Typ 4 betrifft dann mehr die Männer, die dann reglos mit Flaschenbier in der Hand herumstehen. Warum auch an der Bar bleiben oder am Rande warten, wenn man mitten in der Action sein kann? Quasi der Fels in der Brandung, an denen die Eintänzer dann regelrecht zerschellen können. Manchmal trifft es dann wenigstens die Paare des Typs 3, was ein Segen ist. Sonst stehen diese energischen Palisaden einfach nur sinnlos herum.

Dann gibt es natürlich noch die menschlichen Kreise, die viel Platz zum agieren brauchen und aus einem tänzerischen Abend eher ein dunkles Ritual machen. Wenn doch nur wenigstens jemand oder etwas im Kreis geopfert würde. So nimmt diese menschliche Geometrie einfach nur viel Raum ein, ohne von besonders künstlerischem Wert zu sein.Ich hatte mich versehentlich in die Nähe eines solchen Hexenzirkels gewagt und wurde mit giftigen Wicca- Blicken bestraft, dass ich es wagte, den mystischen Zirkel zu betreten. Vermutlich wurden am Tag danach bereits extra Voodoo- Puppen mit meinem Gesicht gebastelt und Nadel zerstochen in einem Gurkenglas ertränkt.

Das stört mich jetzt zwar weniger, da Gefahr bekanntermaßen mein zweiter Vorname ist. Wenn ich aber in den nächsten Tagen eine Erkältung bekomme, ist das Schuld der Kreisweiber.

8.10.16 17:39

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