Über

Gestatten, mich vorzustellen: freundlicher, lustiger Kerl mit geringer Statur und grosser Klappe. An dieser Stelle sollten jetzt meine sportlichen Erfolge und Auszeichnungen stehen. Aber ausser einer Teilnahme- Urkunde des deutschen Sportfestes 1998 habe ich da nichts vorzuweisen.

Alter: 38
 


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Das Wurst- Käs- Szenario

Es gibt Dinge, die gehören zu meinen persönlichen Albträumen: alle Zähne zu verlieren, allein zu sterben und die Ex mit dickem Bauch oder Kinderwagen auf der Straße zu sehen.

Ich sitze also bei meinem Kumpel bei Zigarre und Cider, schaue mit ihm die "Evil Dead"- Reihe auf Bluray und wir kommen so ins Quatschen. Er, immer noch mit meiner Ex befreundet ( ich gestehe ihm das zu, weil ja jeder gute Freund auch mal einen Fehler machen darf) plaudert darüber, dass die Gute jetzt schwanger ist. Natürlich verkneife ich mir einen Kommentar á la: "Wie ist denn das passiert?!", da ich weiß, wie das mit Penissen, Bienen und Blumen so funktioniert. Aber in mir brach gerade eine Welt zusammen.

Nach einer langjährigen Beziehung zu ihr, war es mir nicht vergönnt, eine Familie mit ihr zu gründen. Zuerst dachte ich, dass sie keine Kinder will, da wir so manches Mal darüber gesprochen haben und sie Kinder stehts ausschloss. Jetzt weiß ich, dass es wegen mir war. Sie wollte nicht mit mir. Das tut weh. Verdammt weh sogar. Klar, in Filmen zeigen sie immer nur, wie Frauen unter Liebeskummer leiden und Trennungen nur schwer verarbeiten können. Aber Männern geht es genau so. Nur essen sie dann kein Eis aus einem Eimer und heulen, während sie einen Bridget Jones Film auf Video gucken und im Bademantel auf dem Bett sitzen. Männer schwören Rache und bringen den Mörder der Frau um, suchen die entführte Tochter in Paris oder werden zu Batman. In der Realität sieht es natürlich anders aus.

Inzwischen gehe ich auf die 40 zu, bin seit fast 600 Tagen Single und habe das mit der Familie längst zu Grabe getragen. Klar, als Mann kannst du immer Vater werden. Vorbilder wie Luciano Pavarotti, Anthony Quinn zeigen zwar, dass es auch im Alter mit der Zeugungskraft noch gut gehen kann aber sie hatten ja auch reichlich finanzielle Rücklagen, da sie die Volljährigkeit ihrer Kinder vielleicht nicht mehr erleben würden und jeder weiß, dass Geld ja die Eltern ersetzt- wo wir wieder bei Batman wären.

Zumindest ist jetzt jedenfalls eine Angst erledigt. Dann können die beiden anderen Szenarien ja gar nicht mehr so schlimm sein.

6.8.20 15:31, kommentieren

Das Leben zu Zeiten von Corona

Vergesst die Zeitrechnungen vor und nach Christus. Corona ist der neue Superstar. Erinnert sich noch jemand, wie es war, ohne Gesichtsmaske einkaufen zu gehen oder Bus zu fahren? Tja, das waren noch verrückte Zeiten. Als vor Ladentheken noch kein Klebeband als Abstandhalter genutzt wurde und man noch ohne Einkaufskorb in ein Geschäft durfte. Richtig crazy war das. Und ich erinnere mich gern daran zurück. Als ich noch Tanzunterricht hatte oder man in langen Schlangen vor dem Kino stand- als noch Filme liefen.

Viel hat sich verändert und ich habe das Spazieren für mich entdeckt. Eine eigene Strecke entlang eines kleinen Flüsschens habe ich entdeckt. Ich war so stolz auf mich und jetzt ist das meine Lieblingsstrecke, die ich gern auch mal mit Freunden gehe. Natürlich nur maximal 2 Personen auf Abstand.

Ich hatte auch schon wieder Dates. Und ich fragte mich gleich zu Beginn, ob wir uns zur Begrüßung umarmen dürfen oder uns den Corona- Ellbogen geben. Verrückte Zeiten eben. Jetzt gibt es inzwischen bunte Masken mit lustigem Druck, wie "Fuck Corona" oder dem Jokergrinsen drauf.

25.7.20 10:30, kommentieren

Die Macht des Netzes

Wer hätte gedacht, dass es mit Internet und (a)sozialen Netzwerken so krass zugehen würde. Gedeckt von einem Mantel der Anonymität, nutzen einige wenige die Gunst der Stunde, um ihrem Unmut mit wenig Feingefühl Luft zu machen. Generell spricht ja eigentlich nichts gegen freie Meinungsäußerung. Aber was ist, wenn aus Kritik eine Drohung oder Aufforderung zu gewalttätigem Verhalten wird? Seit wann sind Menschen nicht mehr in der Verantwortung was sie sagen oder zu wem? Ob es jetzt bei veganer Ernährung, Umweltschutz, Feminismus oder Star Wars ist: aus Anhängern werden wahre Fanatiker, die der Meinung sind, wer nicht mit ihnen ist, sei gegen sie. Irgendwie seltsam, wie wichtig sich jetzt jeder hinter einer PC- Tastatur fühlt. Gut. Geht es nach Politikern, ist das Internet an allem Schuld. Aber das Internet ist weder eine Person, noch eine göttliche Kreatur, die uns lenkt. Das Internet ist genau so an allem Schuld, wie ein Dienstag, schlechtes Wetter oder eine Staubfluse. Da kann wenig von Schuld oder Unschuld die Rede sein. Es sind Menschen, die Schuld sind. Weil sie meinen, nicht verantwortlich für ihre Taten zu sein. Sie würden gewisse Dinge nur online schreiben, statt sie jemanden ins Gesicht zu sagen. Weil sie sonst etwas in selbiges geschlagen bekämen. Und das mit Recht. "Du bist ein Arsch!" Wumms!!! "Aua, du hast mir die Nase gebrochen!!!"- und Stille. Schön.Ich bin diese ganzen Diskussionen leid. Böller verursachen Feinstaub, Tannenbäume verursachen leere Wälder, ein Mettbrötchen mit Zwiebeln führt uns zum Weltuntergang. Nee, is klar. Greta mag ja das Meer mit einem Segelboot überquert haben. Aber ihre Anhänger haben teure Smartphones, Zentralheizung und werden mit einem SUV zum Ballett gefahren. Wer gern gegen andere nörgeln und urteilen mag, sollte erst einmal schauen, was man selbst tun kann. Ich finde es cool, wenn sich Schulkinder protestierend für die Umwelt einsetzen, aber lasst mich bitte in Ruhe. Ich rauche nicht- werfe also keine Kippen in der Gegend rum. Ich fahre mit der Straßenbahn- produziere keine Abgase, außer nach Weißkohl und Zwiebeln. Ich trenne meinen Müll, vermeide Verpackungen, wo es geht und werfe nichts in der Gegend herum. Aber weil ich einmal im Jahr in den Urlaub fliege, statt über das Mittelmeer mit dem Tretboot zu schippern, bin ich jetzt auf der Dunklen Seite.Aber worüber sich aufregen? Es ist alles nur eine Modeerscheinung, sich künstlich über alles aufzuregen. Meine Oma war keine Umweltsau. Sie hatte ganz andere Sorgen. Dennoch kann ich mich weder über Omas aufregen, noch über singende Kinder, die sich über irgendeine fiktive Großmutter aufregen. Es sollten alle mal wieder runterkommen. Bleibt auf dem Teppich. Oder ist der auch nicht mehr gut für die Umwelt?

11.1.20 14:03, kommentieren

lasst es krachen

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Woran ich das merke? Am Kalender? Dem Weihnachtsspeck? Ich merke es eher daran, dass seit gestern das Feuerwerk im Verkauf ist. Und da es auf der Welt genügend dämliche Idioten gibt, wird deshalb auch seit gestern mit Böllern aus dem Fenster geschmissen, als wäre das völlig normal.

Dabei ist es mit dem Feuerwerk schon schwierig genug. Einige meinen, dass die arme Natur unter dem Lärm leidet. Und man möchte ihnen entgegen rufen, dass es nur ein Tag im Jahr ist, an dem es mal laut wird. Doch da wären eben beschriebene Idioten vom oberen Absatz. Diese machen ja tagelang nix anderes und zeigen, dass man tonnenweise Geld für Knallerei ausgeben kann, statt es in erneuerbare Energien zu investieren oder ein Stück Regenwald zu kaufen.

Klar, sollte einem die Umwelt am Herzen liegen. Deshalb habe ich abends nur in dem Zimmer Licht an, wo ich mich aufhalte, drücke die Spartaste beim Spülkasten, lasse das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen. Ich trenne Müll, versuche nichts in der Natur herumzuwerfen und lasse Tiere in freier Wildbahn in Ruhe.

Doch ich sehe Leute, die mit laufendem Motor vorm Haus warten, dass der Kumpel endlich runterkommt. Ich war im Kino auf dem Klo und musste erst einmal einen Wasserhahn zudrehen, da jemand diesen hat einfach laufen lassen. Ich sehe Kinder, die mit Steinen nach Schwanenjungen werfen und die Eltern nicht eingreifen. Ich sehe auf meinem Arbeitsweg Glasscherben und Wurstverpackungen auf dem Fußweg liegen. Ich sehe Leute, die das ganze Jahr über Arschlöcher zur Umwelt sind. Und jetzt muss ich mich verteidigen, warum ich ein anständiges Silvester- Feuerwerk cool finde. Es hat mit Tradition zu tun. Ich sammle meine abgefackelten Batterien nach Benutzung auch wieder ein.

Krieg macht übrigens auch Dreck, Lärm und verschreckt die Tiere- vom Menschen ganz zu schweigen. Das ist mehrere Tage im Jahr so. Verhindert wird es nicht. Bomben sind lauter als Böller. Doch daran stört sich keiner.

Liebe Umweltschützer: lasst mich einfach mal am Jahresende in Ruhe. Mein 2019 war ein mieses Jahr voller Ärger, Trauer und Verlust. Lasst mich doch einfach mal die bösen Geister mit Schwarzpulver und Magnesiumfontänen vertreiben. Gönnt mir doch einmal den Spaß. Den Rest des Jahres bin ich dann wieder nett zu meiner Umwelt und mache keinen Lärm. Versprochen.

30.12.19 00:31, kommentieren

Zurück zum Gamepad

Was tun, wenn man Single und Ende 30 ist? Was fängt man mit seiner Freizeit an? Besonders an den kalten Tagen zieht es einen wenig nach draußen. Aus diesem Grunde habe ich mich in einen Games- Laden verirrt und für ein paar Euro eine gute Handvoll Spiele ergattert.

Noch vor einigen Jahren flaute bei mir das Gamerherz ab. Die letzten durchgezockten Wochenende mit Final Fantasy X oder Diablo 2 liegen schon Ewigkeiten zurück. Ich dachte, ich wäre langsam zu alt fürs Spielen. Aber gerade jetzt, wo nichts besseres zu Tun ist, macht es Spaß, wieder ein paar Stunden in gute Spiele zu investieren. Und was soll ich sagen? Es lohnt sich! Filmreife Grafiken, komplexe Geschichten und stundenlanges Gameplay reizen mich schon sehr. Und wenn man ehrlich ist, hat man seine Zockervorlieben doch nur für die Damenwelt sausen lassen. Tja, die Spiele sind noch da, die Frauen nicht. Was also ist die bessere Investition gewesen? Wenn im neuen Jahr mein Fernlehrgang beendet ist und ich, ohne schlechtes Gewissen meine Feierabend so gestalten darf, wie ich will - also ohne Lernen und Prüfungen- dann darf die ganze Liste durchgearbeitet werden. Ich bin gespannt, wie viel ich da schaffe. Und die Suche nach den Frauen? Sagen wir es mal so: Ich war mit meinem Handy heute im Appstore und dachte kurz daran, mir wieder eine Datingapp zuzulegen. Ich habe mich dann für ein neues Mobilegame entschieden. Soviel zum Thema Frauen!

2 Kommentare 22.12.19 14:50, kommentieren

Du hast Post

Gerade im heutigen digitalen Zeitalter schreibt kaum noch einer mit Tinte auf Papier. Wer noch etwas im Briefkasten hat, bekommt meistens Rechnungen, Mahnungen oder Pizza- Flyer. Eine Postkarte ist mal dabei, wenn Freunde im Urlaub waren. Ein Brief ist schon gar nicht mehr dabei.

Wie schön, dass es noch so etwas wie postcrossing gibt. Eine Website, die sich darum bemüht, dass man sich mehr schreibt. Man registriert sich mit seiner Adresse, befüllt ein Profil mit Interessen und einer kleinen Lebensgeschichte und schon kann es losgehen. Per Zufall zieht man eine Adresse von jemandem, dem man jetzt schreiben darf. Das kann eine Person sein, die irgendwo am anderen Ende der Welt, meistens den USA oder Russland, sitzt und nun auf deine Postkarte wartet.

Also besorgt man sich hübsche, teils künstlerische Postkarten, sucht sich eine ansprechende Briefmarke aus und schreibt, was einem so in den Sinn kommt. Nicht lange darauf, erhält man dann auch Postkarten. Dies kann dann auch von jemandem auf der anderen Halbkugel, meistens USA oder Russland, sein.

Ja, die beiden Supermächte sind auch auf postcrossing fleißig. Aber auch China ist mit dabei. Immerhin ist im Ausland das Internet besser, weil man es dort auch an jeder Milchkanne hat.

Für Sammler von hübschen Postkarten ist das auf jeden Fall eine ganz tolle Sache. Gerade heutzutage, wo einem keiner mehr schreibt, ist es schön, dass sich fremde Personen überlegen, welche Karte dir wohl gefällt oder was für Geschichten dich interessieren. Und im Dezember gibt es noch einen Bonus: für jede gesendete Karte gibt es diesen Monat 10 Cent für die Stiftung lesen. Man tut also was Gutes und auch der Postbote freut sich über etwas mehr Arbeit. Schön, dass es so was gibt. Ich freue mich jedenfalls öfter, wenn ich zum Briefkasten komme. Wer weiß, vielleicht hat jemand völlig fremdes aus dem Ausland an mich gedacht?

11.12.19 00:00, kommentieren

die erste Tür

Ja, dass Jahr verfliegt. Eben noch habe ich auf einer Brücke ein paar Raketen in den Silvesterhimmel gejagt und nun öffne ich die erste Tür meines Adventskalenders. Darin ein schokoladiger Schlittschuh. Gab es im September zwar schon Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt, ist für mich erst heute zum 1. Advent die Vorweihnachtszeit eröffnet. So richtig nach Weihnachten ist mir aber nicht. Mein Vater ist im Krankenhaus und mein Beziehungsstatus ist "Ewiger Single". Da kann man sich ja vorstellen, wie oft einem nach "Oh du Fröhliche" ist.

Vor allem aber die Schnelllebigkeit macht mir Sorgen. So fix ging ein Jahr noch nie. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Nur noch wenige Wochen, dann ist 2019 abgehakt. Meine Weiterbildung ist fast abgeschlossen und dann heißt es nach dem Dienst endlich: kein Lernen, keine Prüfungsaufgaben und kein schlechtes Gewissen mehr.

Eigentlich eine tolle Sache, möchte man meinen. Doch so richtig freuen kann ich mich noch nicht. Gerade jetzt, wo es draußen kalt und ungemütlich wird, ziehe ich mich in meine Stube zurück. Die Paare schieben sich glückselig von Glühweinstand zu Glühweinstand und werfen sich romantische Blicke zu. Kinder kreische, weil der Weihnachtsmann auf der Bühne steht und geduldig lauscht, wie die Waldorfschüler versuchen "Oh Tannenbaum" zu versemmeln. Das alles ist ganz toll und überhaupt der beste Grund, sich noch mehr Glühwein in den Kessel zu kippen. Ja, die Jahresendzeit führt es einem immer vor Augen: Was hast du erreicht, was gewonnen, was verloren. Dieses Jahr war einfach kein Wonnejahr. Ich hoffe, ich kann es schnell hinter mir lassen. Aber wer weiß? Vielleicht wird 2020 ja auch nicht der Hit.

1.12.19 16:53, kommentieren

am 11.11.

Heute ist ein besonderer Tag. Nein, nicht dieser Karneval, mit dem man mich schon in der Schule genervt hat. Da wurden wir Punkt 11 Uhr 11 in der Turnhalle versammelt, um uns ein heiteres Schulprogramm anzusehen, dass irgendwo zwischen Fremdscham und Schadenfreude mäanderte.

Heute vor genau 19 Jahren kam ich mit meiner damaligen Freundin zusammen. Es sollte die längste Beziehung meines Lebens mit der schönsten Frau meines Lebens werden. Seit 4 Jahren sind wir getrennt und trotzdem werde ich am 11.11. sehr melancholisch. Wie sehr fehlt sie mir. Wie sehr habe ich sie geliebt. Den Duft ihres Haars, der Klang ihrer Stimme, das alles ist längst vergessen. Gäbe es die Fotos aus meiner Vergangenheit nicht, hätte ich auch ihr Gesicht vergessen. Denn alles verblasst mit der Zeit.

Mit Gedenktagen habe ich es sonst nicht so. 30 Jahre Mauerfall ging ja auch an mir vorüber. Ich hatte ja auch nichts mit der Mauer zu tun. Ich habe nicht demonstriert und "Wir sind das Volk" gerufen, bevor uns PEGIDA diese Parole für immer versaut hat. Ich war ein unpolitischer Zweitklässler, der genug Probleme damit hatte, sich das Pionierhalsband vernünftig zu knoten. Das war wohl das politischste, was ich damals getan habe, mit meinen 7 Jahren.

Nein, Mauern kommen und gehen. So wird es immer sein. Aber die große Liebe? Wie oft wird man sich noch verlieben? Mit Ende 30 glaube ich nicht mehr an die Liebe. Da glaube ich eher an Mutanten oder die Expendables. Liebe ist in unserer Zeit der Effizienz gewichen. Work-Life- Balance bekommt eine Love-Life-Balance dazu. Alles muss stimmen- alles muss passen. Alles ist zum Kotzen!

Angeblich würden Frauen ab Ende 30 jeden Typen nehmen, der sie noch schwängern kann. Damit die biologische Uhr ausgetrickst wird. Aber will ich mit einer Frau zusammen sein, die mich gar nicht liebt? Die lieber mich erträgt, als Einsamkeit? Grausiger Gedanke. Eine Zweckehe. So was kennt man doch nur aus Jane Austen Filmen. Aber vielleicht habe ich da ja auch nur stolze Vorurteile. Gibt es Liebe noch? Für Leute wie uns? So die alten Romantiker? Die es cool fanden, dass William Wallace in Braveheart die Distel von seiner Jugendfreundin aufbewahrt hat? Vielleicht sind wir eben in einer anderen Zeit. Die Ära der Leistung. Schöne, leistungsfähige Menschen, die sich zur Schaffung noch perfekterer Nachkommen zusammentun. Quasi ein steriler Equilibrium- Albtraum. Nur ohne Christian Bale eben.

Seit meiner Trennung von Mrs. Perfekt habe ich mich verändert. Vollbart, Tattoos, Tanzkurse und neue Hobbys. Kurzum, ich habe mich entwickelt. Doch reicht das? Sie richtig loslassen konnte ich trotzdem nie. Denn es gab einfach keine Frau, die besser war. Und solange ich nicht an eine Frau gerate, die mich liebt, habe ich eben immer noch diesen Gedenktag. An eine Zeit, in der ich alles hatte und es nicht halten konnte. Auf die Narren!

11.11.19 23:39, kommentieren

Einmal stechen, die Zweite!

Wir schreiben den 1. Dezember 2018. Ich liege in einem Tattoostudio und lasse mir das erste Motiv stechen. Schon zu der Zeit hatte ich bereits Gedanken daran, wie es wohl weitergeht, waren die Schmerzen doch nicht so qualvoll, wie befürchtet. Wo soll das zweite Stück Körperkunst denn hin? Fast ein Jahr später: Ich liege im selben Studio und man werkelt an Motiv Nummer 2. Die Schmerzen sind aus der "Kenne-ich-schon-hatte-ich-schon- Kategorie". Wieder überlege ich, was wohl mein drittes Motiv werden könnte. Bin ich etwa süchtig geworden? Nach den Schmerzen und der wochenlangen Nachbehandlung plus Sportverbot sicher nicht. Aber als die Nadel meine Haut erstmals traf, war es eine Barriere, die Überschritten wurde. Die Angst vor den Schmerzen und vor einem großen Fehler. Jetzt bin ich natürlich wieder in meiner Nachbehandlung mit der Hautpflege und dem Verzicht auf das Fitnessstudio. Und sollte mich ein neues Motiv oder eine Idee reizen, wer weiß? Vielleicht liege ich ja dann im nächsten Jahr wieder dort und lasse mir Schmerzen zufügen. Attraktiver macht es mich nicht. Und auch cooler werde ich nicht dadurch. Ich bekomme aber eine wichtige Lektion erteilt. Wenn ich mir etwas wünsche, sollte ich es einfach nur machen, statt jahrelang nur darüber zu reden. Wer weiß, wozu ich dann alles kommen werde?Ein Glück für mich, dass ich mir nie den Namen einer Herzensdame habe stechen lassen. Das könnte ja sonst peinlich werden, wo sie doch alle längst über alle Berge sind.

7.11.19 16:23, kommentieren

geschüttelt vor Rührung

Eines Tages fasste ich den Entschluss, einen Film aus meiner früheren Jugend zu sehen. Es war "Big Fish" von Tim Burton. Seiner Zeit als modernes Märchen deklariert, vermochte es der Film mich zu bewegen. Ich hatte ihn in guter Erinnerung. Ich legte also die DVD ein und startete den Film. Bei einer bestimmten Szene, begann ich plötzlich, wie ein Schlosshund zu heulen. Der Film hatte mich, anders als früher, nicht berührt, sondern überwältigt. Eine Welle der Emotionen überrollte mich, wie einst Data in "Treffen der Generationen", als sein Emotionschip aktiviert wurde.Auch mit anderen Filmen passierte es, dass sie mich deutlich mehr mitnahmen, als in meiner Erinnerung gespeichert. Hat mich das Alter weich gespült? Oder bin ich im Laufe der Jahre emotional derart gereift, dass ich erst jetzt verstehen kann, was mir dort gezeigt wird? Waren es die Beziehungen, Trennungen, Beerdigungen und andere Schicksalsschläge, die mich erst jetzt in die Lage versetzen, wirklich zu begreifen, was die Geschichte mit seinen Hauptfiguren anrichtet? Als vor ein paar Tagen mein alter Schulfreund zu Besuch kam, erzählte er mir etwas ähnliches. Er weiß nicht wieso, aber seit Kurzem kann der bei Disneyfilmen ( trotz der männlichen Gegenwehr) nur noch heulen. Passiert das also tatsächlich mit uns Männern im Alter? Haben wir zuvor Frauen belächelt, die in Liebesfilmen zum Taschentuch greifen, sind wir Jahre später endlich auf dem gleichen Niveau. Wir sind emotional ausgewachsen. Das hat ja auch nur 30 Jahre gedauert. Glückwunsch. Wer weiß, wie es mir beim Gucken von Braveheart geht? Da habe ich als Kind schon ein paar Tränen verdrückt. Ich kann nur erahnen, was es jetzt mit mir machen wird.

23.10.19 17:17, kommentieren

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