Über

Gestatten, mich vorzustellen: freundlicher, lustiger Kerl mit geringer Statur und grosser Klappe. An dieser Stelle sollten jetzt meine sportlichen Erfolge und Auszeichnungen stehen. Aber ausser einer Teilnahme- Urkunde des deutschen Sportfestes 1998 habe ich da nichts vorzuweisen.

Alter: 37
 


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am 11.11.

Heute ist ein besonderer Tag. Nein, nicht dieser Karneval, mit dem man mich schon in der Schule genervt hat. Da wurden wir Punkt 11 Uhr 11 in der Turnhalle versammelt, um uns ein heiteres Schulprogramm anzusehen, dass irgendwo zwischen Fremdscham und Schadenfreude mäanderte.

Heute vor genau 19 Jahren kam ich mit meiner damaligen Freundin zusammen. Es sollte die längste Beziehung meines Lebens mit der schönsten Frau meines Lebens werden. Seit 4 Jahren sind wir getrennt und trotzdem werde ich am 11.11. sehr melancholisch. Wie sehr fehlt sie mir. Wie sehr habe ich sie geliebt. Den Duft ihres Haars, der Klang ihrer Stimme, das alles ist längst vergessen. Gäbe es die Fotos aus meiner Vergangenheit nicht, hätte ich auch ihr Gesicht vergessen. Denn alles verblasst mit der Zeit.

Mit Gedenktagen habe ich es sonst nicht so. 30 Jahre Mauerfall ging ja auch an mir vorüber. Ich hatte ja auch nichts mit der Mauer zu tun. Ich habe nicht demonstriert und "Wir sind das Volk" gerufen, bevor uns PEGIDA diese Parole für immer versaut hat. Ich war ein unpolitischer Zweitklässler, der genug Probleme damit hatte, sich das Pionierhalsband vernünftig zu knoten. Das war wohl das politischste, was ich damals getan habe, mit meinen 7 Jahren.

Nein, Mauern kommen und gehen. So wird es immer sein. Aber die große Liebe? Wie oft wird man sich noch verlieben? Mit Ende 30 glaube ich nicht mehr an die Liebe. Da glaube ich eher an Mutanten oder die Expendables. Liebe ist in unserer Zeit der Effizienz gewichen. Work-Life- Balance bekommt eine Love-Life-Balance dazu. Alles muss stimmen- alles muss passen. Alles ist zum Kotzen!

Angeblich würden Frauen ab Ende 30 jeden Typen nehmen, der sie noch schwängern kann. Damit die biologische Uhr ausgetrickst wird. Aber will ich mit einer Frau zusammen sein, die mich gar nicht liebt? Die lieber mich erträgt, als Einsamkeit? Grausiger Gedanke. Eine Zweckehe. So was kennt man doch nur aus Jane Austen Filmen. Aber vielleicht habe ich da ja auch nur stolze Vorurteile. Gibt es Liebe noch? Für Leute wie uns? So die alten Romantiker? Die es cool fanden, dass William Wallace in Braveheart die Distel von seiner Jugendfreundin aufbewahrt hat? Vielleicht sind wir eben in einer anderen Zeit. Die Ära der Leistung. Schöne, leistungsfähige Menschen, die sich zur Schaffung noch perfekterer Nachkommen zusammentun. Quasi ein steriler Equilibrium- Albtraum. Nur ohne Christian Bale eben.

Seit meiner Trennung von Mrs. Perfekt habe ich mich verändert. Vollbart, Tattoos, Tanzkurse und neue Hobbys. Kurzum, ich habe mich entwickelt. Doch reicht das? Sie richtig loslassen konnte ich trotzdem nie. Denn es gab einfach keine Frau, die besser war. Und solange ich nicht an eine Frau gerate, die mich liebt, habe ich eben immer noch diesen Gedenktag. An eine Zeit, in der ich alles hatte und es nicht halten konnte. Auf die Narren!

11.11.19 23:39, kommentieren

Einmal stechen, die Zweite!

Wir schreiben den 1. Dezember 2018. Ich liege in einem Tattoostudio und lasse mir das erste Motiv stechen. Schon zu der Zeit hatte ich bereits Gedanken daran, wie es wohl weitergeht, waren die Schmerzen doch nicht so qualvoll, wie befürchtet. Wo soll das zweite Stück Körperkunst denn hin? Fast ein Jahr später: Ich liege im selben Studio und man werkelt an Motiv Nummer 2. Die Schmerzen sind aus der "Kenne-ich-schon-hatte-ich-schon- Kategorie". Wieder überlege ich, was wohl mein drittes Motiv werden könnte. Bin ich etwa süchtig geworden? Nach den Schmerzen und der wochenlangen Nachbehandlung plus Sportverbot sicher nicht. Aber als die Nadel meine Haut erstmals traf, war es eine Barriere, die Überschritten wurde. Die Angst vor den Schmerzen und vor einem großen Fehler. Jetzt bin ich natürlich wieder in meiner Nachbehandlung mit der Hautpflege und dem Verzicht auf das Fitnessstudio. Und sollte mich ein neues Motiv oder eine Idee reizen, wer weiß? Vielleicht liege ich ja dann im nächsten Jahr wieder dort und lasse mir Schmerzen zufügen. Attraktiver macht es mich nicht. Und auch cooler werde ich nicht dadurch. Ich bekomme aber eine wichtige Lektion erteilt. Wenn ich mir etwas wünsche, sollte ich es einfach nur machen, statt jahrelang nur darüber zu reden. Wer weiß, wozu ich dann alles kommen werde?Ein Glück für mich, dass ich mir nie den Namen einer Herzensdame habe stechen lassen. Das könnte ja sonst peinlich werden, wo sie doch alle längst über alle Berge sind.

7.11.19 16:23, kommentieren

geschüttelt vor Rührung

Eines Tages fasste ich den Entschluss, einen Film aus meiner früheren Jugend zu sehen. Es war "Big Fish" von Tim Burton. Seiner Zeit als modernes Märchen deklariert, vermochte es der Film mich zu bewegen. Ich hatte ihn in guter Erinnerung. Ich legte also die DVD ein und startete den Film. Bei einer bestimmten Szene, begann ich plötzlich, wie ein Schlosshund zu heulen. Der Film hatte mich, anders als früher, nicht berührt, sondern überwältigt. Eine Welle der Emotionen überrollte mich, wie einst Data in "Treffen der Generationen", als sein Emotionschip aktiviert wurde.Auch mit anderen Filmen passierte es, dass sie mich deutlich mehr mitnahmen, als in meiner Erinnerung gespeichert. Hat mich das Alter weich gespült? Oder bin ich im Laufe der Jahre emotional derart gereift, dass ich erst jetzt verstehen kann, was mir dort gezeigt wird? Waren es die Beziehungen, Trennungen, Beerdigungen und andere Schicksalsschläge, die mich erst jetzt in die Lage versetzen, wirklich zu begreifen, was die Geschichte mit seinen Hauptfiguren anrichtet? Als vor ein paar Tagen mein alter Schulfreund zu Besuch kam, erzählte er mir etwas ähnliches. Er weiß nicht wieso, aber seit Kurzem kann der bei Disneyfilmen ( trotz der männlichen Gegenwehr) nur noch heulen. Passiert das also tatsächlich mit uns Männern im Alter? Haben wir zuvor Frauen belächelt, die in Liebesfilmen zum Taschentuch greifen, sind wir Jahre später endlich auf dem gleichen Niveau. Wir sind emotional ausgewachsen. Das hat ja auch nur 30 Jahre gedauert. Glückwunsch. Wer weiß, wie es mir beim Gucken von Braveheart geht? Da habe ich als Kind schon ein paar Tränen verdrückt. Ich kann nur erahnen, was es jetzt mit mir machen wird.

23.10.19 17:17, kommentieren

Alles Ehe oder was?

Irgendwo am Rande Leipzigs: ich stehe mit meinen Freunden in einer neu gekauften Eigentumswohnung eines befreundeten Pärchens und wir spachteln die alte Rauhfasertapete der Vormieter vom glatten Beton. Dabei kommen wir ins Gespräch über die Ehe. Wie lange haben sich die Eltern oder Großeltern gekannt, ehe sie sich das Jawort gaben? Bei meinen Eltern war es ein Jahr, die Großeltern einer Freundin hatten 3 Tage. Aus beiden Ehen ist übrigens echt was auf Zeit geworden. Eine Tatsache, die für heutige Verhältnisse undenkbar scheint. Jeder braucht Freiraum für eigene Entfaltung und das Korsett einer Ehe scheint da wenig begeisternd zu sein. Für meine Freunde dagegen ist alles gut. Ihr Bauch ist mit einem kleinen Jungen gefüllt, der im nächsten Jahr das Licht der Welt erblickt und finanziell geht es wieder bergauf. Die neue Wohnung mit weißem Gartenzaun im Vorort unterstreicht es nochmal: man ist angekommen. Man ist endlich zu Hause. Vorbei die Zwischenstationen die Umentschlüsse und die Ungewissheit. Man hat sich gefunden. Man möchte beisammen bleiben, bis das Leben glücklich endet. Ein Märchen eben, wo sich Prinz und Prinzessin gefunden haben und Schneewittchen den Zwergen erklärt, dass sie wieder selber kochen und putzen müssen. Neidisch wandert mein Blick zu den Beiden, denen ich bei der Hochzeit beim Baumstammsägen zur Hand ging. Sie gelten für mich als Prototyp einer schönen Beziehung. Dabei standen sie auch einmal vor finsteren Zeiten, wo das Wort Trennung im Raum stand. Doch diesen Sturm haben sie hinter sich gebracht. Mit dem Wissen, dass sie füreinander einstehen. Eine schönes Sache eben. Und ich? Nunja, in ein paar Tagen kommt ein neuer X-Men Film auf Bluray raus und im November gibt es Tattoo Nummer 2. Also hat jeder das, was er verdient, schätze ich.

6.10.19 13:19, kommentieren

Ein Ende kann ein Anfang sein

So ging, glaube ich, ein Schlager. Aber ich hab es nicht so mit Schlagern. Da wurde ich viel von meinen Großeltern gequält. Nur leider haut Eminem selten so was tiefsinniges raus. Obwohl, ist er nicht auch schon über 40? Fast 50? Googelt es mal! Auch dieser ehemalige junge Wilde könnte nun Großvater sein. Gruselig.Aber egal. Ich stehe da nun am Überweisungsautomaten meiner Bank und hämmere die Überweisung meines Tanzkursbeitrages für den Salsaufbaukurs ein, da kommen mir so Gedanken.Habe ich nicht erst nach meiner Trennung mit Ex Nummer 3 mit dem Tanzen angefangen? Und habe ich nicht nach der Trennung von Ex Nummer 2 damit begonnen Italienisch zu lernen? Ich habe sogar neue Freunde kennengelernt. Was für ein Zufall. Auch wenn ich Paare, die händchenhaltend an mir vorbeiturteln am liebsten erwürgen würde, hat mein Singledasein etwas Gutes hervorgebracht. Ich habe mir Hobbys gesucht. Ich kann immernoch ein paar italienische Vokabeln und im Salsa und Bachata werde ich langsam besser. Es kann also nicht alles schlecht gewesen sein. In gewisser Weise möchte ich, den Amerikanern an Thanksgiving gleich, meine Dankbarkeit ausdrücken. Dankbarkeit darüber, dass ich meinen Horizont erweitern konnte, Reisen unternommen habe und neue Freundschaften schließen durfte. Das alles ist mehr wert, als jede meiner Ex- Beziehungen. Die Kunst, etwas Positives in allem zu sehen und ein wenig wie Konfuzius zu werden. Der einmal sagte, dass wenn man hinfällt, eine gute Gelegenheit bekommt, etwas vom Boden aufheben zu können. Und so einen Blickwinkel zu haben, kann einen schon ziemlich gut aus der Krise helfen. Also vorbei das Trübsal und auf zu neuen Abenteuern. Das Leben ist ein Spiel. Zeit, ein paar Skills aufzuleveln.

2 Kommentare 25.9.19 23:35, kommentieren

Und fahr vorsichtig!

Es ist so was wie der Standardsatz, wenn irgendwer in ein Auto steigt und losfahren will. Wer hat diesen Satz noch nicht gehört. Er ist fast so lyrisch, wie "Bleib gesund", quasi, als hätte man dass allein in der Hand. Am vergangenen Sonntag wurde der Satz mit dem vorsichtig Fahren leider Realität. Ich habe meine Eltern besucht. Am Samstag musste mein Vater noch länger arbeiten, er stand an einer Bar für eine 80er Jahre Party. Es wurde spät. Meine Mutter war schon zu Hause. Am nächsten Morgen stand nicht der alte Herr, sondern zwei Polizisten vor der Tür. Sie machten eine betretene Miene und überreichten verlegen die Brieftasche meines Vaters. Es gab einen Unfall. Mein Vater kam von der Straße ab und fuhr gegen einen Baum. Auf scheinbar gerader Strecke. Vermutlich war es die Müdigkeit. Er liegt im Krankenhaus und wird notversorgt. Es sieht schlecht aus. Zum ersten Mal, hallte der Satz "Fahr vorsichtig" durch mein Hirn. Ich hatte mich am Samstag Mittag nicht von ihm verabschiedet, da ich dachte, ich sehe ihn nochmal, bevor ich mit dem Bus die 7 Stunden nach Hause fahre. Deshalb keine Umarmung, sondern ein normales "Bis später" halt. Es sollte anders kommen. Er liegt im Koma, einen Schlauch in der Nase, an einer Beatmungsmaschine. Ob es seine Schuld war oder nicht, spielt keine Rolle. Es zeigt nur, wie schnell so was geht. Wie ein kleiner Moment von Unachtsamkeit oder Selbstüberschätzung einem den Tag vermiesen kann. Tun können wir dagegen nichts. Als Atheist fällt für mich sogar Beten flach. Hat ja bei meinen Dates auch nichts geholfen. Ich hoffe, er wird wieder gesund, damit ich ihm bei der nächsten Fahrt sagen kann, dass er besser vorsichtig fährt.

18.9.19 23:15, kommentieren

Wenn der Vater mit dem Sohne

Man kennt das: man hat seine Eltern lieb. Mit dem einen kann man reden mit dem anderen nicht so sehr. Meine Mama ist wie ich, wir interessieren uns für Kunst und Kultur, Kino und Musik. Ergo, wir haben viel über das wir reden können. Mein Vater klinkt sich da lieber aus und macht sein eigenes Ding. Er interessiert sich für Fußball, Baumärkte und Betriebsverordnungen. Da kann ich nicht mitreden. Diesen Sommer habe ich meine Eltern im hohen Norden besucht. Sie wohnen 7 Busstunden von mir entfernt.

Als es an die Heimfahrt ging, bot mein alter Herr an, mich zu fahren. Es würde nur 5 Stunden dauern und er müsse sowieso in die Richtung. Ich überlegte. 5 Stunden mit meinem Pa im Auto? Allein? Worüber reden wir? Reden wir überhaupt? Oder probieren wir das Schweigen in verschiedenen Geschmacksrichtungen aus? Egal. Der Motor heulte auf, mein Vater betätigte das Gaspedal und wir fuhren gen Süden. In meine Heimat. Sofort begann er, für mich völlig unvorbereitet, über Gott und die Welt zu erzählen? Was war denn hier passiert? Hatten ihn über Nacht die Körperfresser übernommen?

Im Plauderton fragte er nach meinem Beziehungsstatus, analysierte mal eben alle meine Exfreundinnen und überraschte mit tiefgreifenden Ansichten über Gott und die Welt. Für mich waren das so viele gewechselte Worte, wie wir seit seiner Einstellung als Vater nie gewechselt hatten. Plötzlich war es mir auch egal, ob wir im Stau stehen würden. Für Gesprächsstoff war gesorgt. Und der legendärste Satz, den er herausbrachte: " Sie war eh nicht die richtige für dich. Das haben wir schon gemerkt..." Interessant war dieses "Seit-30-Jahren-Verheiratet- Wir", welches er benutzte. Es machte mich etwas traurig. Denn bei allem Optimismus, werde ich niemals auf 30 Ehejahre kommen. So langsam arbeitete da die Lebenserwartung dagegen. Gut, ich könnte über 90 werden, wie Stan Lee. Dann hätte ich noch über 20 Jahre Zeit zum suchen. Aber mit Beziehungen ist es wie mit Arbeitgebern: so lange möchte sich nun keiner mehr festlegen.

1.9.19 11:28, kommentieren

Tinder ist wie Heroin

Zugegeben, was für eine reißerische Schlagzeile, zumal sich meine Erfahrungen mit harten Drogen mehr als in Grenzen halten. Da reicht es eben nicht, "Fear and Loathing in Las Vegas" gesehen zu haben.

Nach meinem 4. Date in Singlephase 2 ( also nach der dritten Ex), hatte ich ein tolles Gefühl. Endlich mal Eine, die ich behalten wollte. Gleich schon das zweite Date ausgemacht und sie schien interessiert. Ich so "Yeah! Sie ist hübsch und intelligent! Die will ich gleich einpacken und mitnehmen!" Dann folgte eine Woche nix und dann, nach meiner Anfrage, wie es mit Date 2 aussieht, die Abfuhr. Der Moment, wo ich Tinder deinstallierte. Quasi den Heroinbeutel das Klo runterspühlte und die Spritzen in den Müll warf. Kalter Entzug also. Ich brauch das nicht. Komme besser ohne klar. Was ist schon Tinder? Keine zwei Tage später lächelte das rote Flammenicon wieder auf meinem Handydisplay auf. Ein Rückfall. Jetzt mache ich das heimlich. Ich kann jeder Zeit damit aufhören. Ich hab's unter Kontrolle. Gesprochen, wie ein echter Junkie.

Dann saß ich bei meiner besten Freundin und schaute auf dem Sofa mit ihr Filme. Ja, wir sind beste Freunde, also nix mit Fummeln bis er drin ist..Wir hielten den Film an, damit sie eine Toilettenpause einlegen konnte. Ich fischte heimlich nach dem Handy und swipte etwas herum. Ah, 29 und 4 Kilometer weg: yes. 35, 4 Kinder und 80 Kilometer weg? No!

Dann kam meine Freundin aus der Freundschaft minus wieder.Ich hatte das Handy schnell weggelegt und fischte mir einen schönen Kartoffelchip aus der Snackschale. " Is was? Ich mach doch gar nix..."Schon bitter, seine Liebsten zu belügen. Irgendwann sollte ich mal in eine Selbsthilfegruppe. Anonyme Tinderer oder so.

5.8.19 20:49, kommentieren

Darf ich bitten?

Was soll man eigentlich mit all der Freizeit anfangen, die man als Single hat? Immer nur in Bars und Clubs gehen, ist keine Dauerlösung. In diesem Jahr hatte ich eine Eingebung: ich wollte etwas neues lernen. Eine neue Fähigkeit, einen Skill, ein Talent- wenn man so will. Als ein befreundetes Pärchen davon erzählte, jetzt einen Salsakurs zu machen, habe ich nicht lange nachgedacht und mich sofort eingeschrieben.

Es gab viele Gründe. Erstens zählt meine beste Freundin zur Salsazunft, die mich sogar schon zu einem solchen Tanzabend mitgenommen hat und zweitens, lernt man hier neue Leute und vielleicht auch mal eine Partnerin kennen, die einem nicht auf die Füße tritt. Denn, wer zusammen tanzen kann, der harmoniert auch sonst gut.

So stand ich also in einem Raum der Hochschule, wo sich einige Tanzwillige eingefunden hatten. Teils junge Frauen mit dem Wunsch, einen der sinnlichsten Tänze zu lernen, teils Männer, die wohl ihrer Partnerin zuliebe eingewilligt haben. Und dazwischen ich. In mir kreiste die Frage, wer jetzt meine Tanzpartnerin würde. Die Antwort: Alle! Im Salsa wird der Reihe nach gewechselt. Social nennt sich das, wenn jeder mit jedem. Und das hilft nicht nur, jeder Frau begreiflich zu machen, wo man sie hinführen will, sondern formt mitunter auch eine interessante Tanzgemeinsachft. Man gründete eine Salsa- Whatts-App-Gruppe, für die Welt außerhalb der Tanzschule. Und schnell stand für mich fest, Salsaabende zu besuchen, um meine begrenzten Figuren bis zur Sicherheit zu proben. Man fordert eine Dame auf, sie sagt meistens ja und schon dreht man sich auf dem Parkett. Anfangs hatte ich solche Ehrfurcht vor den langjährigen Tänzern, dass mein Hirn den Grundschritt gelöscht hatte und ich dümmlich tippelnd meinen Rhythmus gesucht habe. Doch schon am zweiten Abend wirkte das alles deutlich sicherer. Mit jeder Tanzstunde freute ich mich auf etwas neues, das ich gleich im Anschluss im Tanzkeller ausprobieren konnte. Und es machte riesigen Spaß, die Damen zu drehen und zu versuchen, einen harmonischen Tanzstil hinzubekommen. Die 10 Wochen vergingen wie im Flug und der Aufbaukurs ist bereits beschlossene Sache. Erstaunlich, wie aus einer spontanen Idee ein neues, fesselndes Hobby werden konnte. Wir sehen uns beim Salsa.

3 Kommentare 4.7.19 12:33, kommentieren

Musik und Schnauze halten

Jeden Donnerstag zieht es mich ein wenig zur Kultur. Dann sitze ich in einem Club, wo Straßenmusiker auftreten. Ich bin dann nicht von einem Hipster zu unterscheiden. Bart? Check! Club Mate? Check! Chucks? Check! Holzfällerhemd? Check! Dummes Gesabbel? Che... nö!

Hier treffen sich viele StudentInnen und schwafeln viel über die großen Probleme unserer Generation, die sie durch vegane Ernährung und Kiffen zu lösen gedenken. Während der scheue Straßengitarrist versucht, seine Musik darzubieten, prosten sich die Mädels am Tisch vor der Bühne laut zu. Der Musiker wird unruhig. Er greift zum Mikrofon: " Der nächste Song ist sehr leise und gefühlvoll. Ich finde es toll, dass ihr euch unterhaltet, seid aber bitte jetzt still!" Autsch! Eine Rüge vom Sänger. Doch hat er Recht? Wieso kann sich keiner mehr auf schöne Musik und Gesang konzentrieren? Die 2-Mann Band aus Gitarrist/ Sänger und einem Schlagzeuger, der auf einer Cajon sitzt und sich einen abtrommelt, ist wirklich gut. Ich wippe mit dem Fuß und nicke mit dem Kopf. Kurzum: ich gehe voll ab!

Dennoch frage ich mich, wann den Menschen der Sinn für das Schöne abhanden gekommen ist. Sind alle nur hier, um ihren Facebookstatus zu aktualisieren? Kann keiner mehr einfach nur still sein und die Ohren öffnen? Wo ist die Neugier und die Auffassungsgabe geblieben, die wir als Kinder hatten, bevor uns Handys zu Smombies gemacht haben. "The walking dead" ist in Gebieten mit kostenlosem WLAN doch längst Realität geworden.

Ich sehe in den Straßen nur noch Leute, die ohne Handy keine zwei Meter weit kommen. Ein Grund mehr, dass ich kein Pokémon Go mehr spiele! Wie soll man fremde Frauen anlächeln, wenn sie nicht mehr geradeaus schauen? Es ist eine verrückte Welt. Und so muss sich auch der Musiker fühlen, der scheinbar nicht für ein Publikum spielt, sondern mehr für sich. Es hört ihm ja doch keiner zu.

2 Kommentare 10.4.19 22:44, kommentieren

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