Über

Gestatten, mich vorzustellen: freundlicher, lustiger Kerl mit geringer Statur und grosser Klappe. An dieser Stelle sollten jetzt meine sportlichen Erfolge und Auszeichnungen stehen. Aber ausser einer Teilnahme- Urkunde des deutschen Sportfestes 1998 habe ich da nichts vorzuweisen.

Alter: 36
 


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Musik und Schnauze halten

Jeden Donnerstag zieht es mich ein wenig zur Kultur. Dann sitze ich in einem Club, wo Straßenmusiker auftreten. Ich bin dann nicht von einem Hipster zu unterscheiden. Bart? Check! Club Mate? Check! Chucks? Check! Holzfällerhemd? Check! Dummes Gesabbel? Che... nö!

Hier treffen sich viele StudentInnen und schwafeln viel über die großen Probleme unserer Generation, die sie durch vegane Ernährung und Kiffen zu lösen gedenken. Während der scheue Straßengitarrist versucht, seine Musik darzubieten, prosten sich die Mädels am Tisch vor der Bühne laut zu. Der Musiker wird unruhig. Er greift zum Mikrofon: " Der nächste Song ist sehr leise und gefühlvoll. Ich finde es toll, dass ihr euch unterhaltet, seid aber bitte jetzt still!" Autsch! Eine Rüge vom Sänger. Doch hat er Recht? Wieso kann sich keiner mehr auf schöne Musik und Gesang konzentrieren? Die 2-Mann Band aus Gitarrist/ Sänger und einem Schlagzeuger, der auf einer Cajon sitzt und sich einen abtrommelt, ist wirklich gut. Ich wippe mit dem Fuß und nicke mit dem Kopf. Kurzum: ich gehe voll ab!

Dennoch frage ich mich, wann den Menschen der Sinn für das Schöne abhanden gekommen ist. Sind alle nur hier, um ihren Facebookstatus zu aktualisieren? Kann keiner mehr einfach nur still sein und die Ohren öffnen? Wo ist die Neugier und die Auffassungsgabe geblieben, die wir als Kinder hatten, bevor uns Handys zu Smombies gemacht haben. "The walking dead" ist in Gebieten mit kostenlosem WLAN doch längst Realität geworden.

Ich sehe in den Straßen nur noch Leute, die ohne Handy keine zwei Meter weit kommen. Ein Grund mehr, dass ich kein Pokémon Go mehr spiele! Wie soll man fremde Frauen anlächeln, wenn sie nicht mehr geradeaus schauen? Es ist eine verrückte Welt. Und so muss sich auch der Musiker fühlen, der scheinbar nicht für ein Publikum spielt, sondern mehr für sich. Es hört ihm ja doch keiner zu.

1 Kommentar 10.4.19 22:44, kommentieren

Glück kann man jetzt lernen

Wenn ich hier meine eigenen Einträge nochmals durchlese, entgeht mir keinesfalls eine gewisse Unzufriedenheit und ein Hang zur dramatischen Meckerei. Zumindest sind da Tendenzen. Wie schön, dass ich erst vor kurzem lesen durfte, dass es in Heidelberg das Unterrichtsfach "Glück" gibt. Quasi die ultimative Hilfe zur Selbsthilfe. Denn wie viele Menschen tatsächlich glücklich sind, kann vermutlich mit wenigen Fingern nachgezählt werden- ließen wir die Kinder einmal außen vor. Doch woran macht man sein eigenes Glück fest? Materielle Dinge? Reisen? Liebe? Sex? Familie? Es ist für jeden etwas anderes, je nach Kulturkreis und Religion. Ist für mich Glück, dass ich die Bahn noch bekommen habe oder Captain Morgan im Angebot war? Ich denke an meine Zeit in einer Beziehung zurück. War ich da glücklicher als jetzt? Was mein Liebesleben anging, bestimmt. Aber was ist mit dem Rest meines Lebens? Wenn man so darüber nachdenkt, kommt man zum Schluss, dass eine Frau im Leben einen nicht automatisch glücklicher macht. Das muss man schon selbst erledigen. Trotzdem hätte ich mir sehr gern dieses Unterrichtsfach gewünscht. Ich wüsste auch ein Tauschfach. Mathe!

3 Kommentare 1.4.19 18:50, kommentieren

All you can friss

Wir leben in einer schönen Welt. Also, wir deutschen Durchschnittsbürger. Wir leiden keinen Hunger und uns ist auch nicht kalt. Das ist gut. Auf dem Arbeitsweg liegen keine Tretminen, außer die von unverantwortlichen Hundehaltern.Doch statt jetzt mit dem Finger zu wedeln und den Konsum zu verteufeln, muss ich gestehen, dass mich gestern mein Weg in ein All-You-Can-Eat-Buffet eines Mongolischen Grills geführt hat. Quasi Disneyland für Adipöse. Also mich. Als charmante Begleitung war eine gute Freundin dabei. Sie, rank und schlank- ich, weder und noch. Wir bewaffneten uns also gleich mit Tellern und trotteten selbstbewusst auf die feinen Speisen zu. Sushi, Haifisch, Känguru, Murmeltieraugäpfel und getrocknete Salamanderkniescheiben- was das Herz begehrt. Mit ein wenig Alibi- Gemüse und einer leckeren Soße wird es dann frisch gebraten und serviert. Lecker. Nur keine Fehler machen, wie Reis oder andere sättigende Beilagen essen, sonst schafft man die ganzen Leckereien nicht. Was für eine Strategie: Essen, in der Hoffnung, nicht satt zu werden! Ganz schön dekadent. Aber so ist das. Mit Staunen beobachte ich, wie mein Gegenüber Teller für Teller anliefert und sich schnell und mit der Effizienz einer Boa Constrictor über die kulinarischen Kostbarkeiten hermacht. Ich musste da schon öfter pausieren und habe versucht, mich nach einem Verschnaufer wieder ans Buffet zu wagen. Meine Kontrahentin war da längst mit den Desserts zugange. Bei Eis und einem halben Stück Kuchen wollte ich ihr noch meinen letzten Kampfgeist beweisen. Der wurde aber von üblem Bauchstechen gequält. Der darauf folgende Spaziergang war nötig. Auch wenn ich eher gerollt als gelaufen bin...Das Fazit: gute Esser sehen nicht immer so aus. Versuche nie eine schlanke Frau im Wettessen zu schlagen. Man vertut sich da recht schnell.

27.3.19 18:21, kommentieren

Da waren es schon zwei

Das Problem, wenn man Beziehungen in seiner Stadt hat? Man hat dann auch Exfreundinnen in seiner Stadt! Quasi emotionaler Restmüll aus dem Beziehungs- Atomkraftwerk...Ob man nun in einem kleinen gallischen Dorf oder in Metropolis wohnt, ist egal! Sie laufen einem über den Weg. Da kann man nichts machen. Die Damen sind ja nun mal keine Gefährder und können so ohne weiteres nach Afghanistan abgeschoben werden. Nein, sie leben in einem Umkreis von 2 Quadratkilometern und man begegnet ihnen fast zwangsläufig. Dann schauen sie absichtlich weg und tun so, als wäre der Hydrant oder der Hundehaufen am Bürgersteig gerade ungeheuer interessant. Da sich der Gesichtsausdruck dann in etwa so beschreiben lässt, als hätten sie gerade eine Hornisse verschluckt oder auf eine lockere Zahnfüllung gebissen, gehe ich davon aus, dass meine Präsenz durchaus wahrgenommen wurde. Was soll ich machen? Die eine wohnt mit ihrem neuen Typen zwei Querstraßen weiter, die andere Dame haust irgendwo auf meinem kurzen Arbeitsweg in der Studentengegend. Ab wie viel Exfreundinnen im gleichen Stadtviertel sollte ich eigentlich über eine neue Staatsbürgerschaft nachdenken? Man kann ja nicht ständig hinter parkenden Autos kauern oder Deckung suchend in die Kühltheke springen. Aber dieses "Ich sehe was, was du nicht siehst und dass bin ich!"- Spielchen kann mit Ende 30 sehr ermüdend werden. Ich meine, ich liebe Spiele. Aber da darf ich wenigstens auf alles schießen, was sich mir nähert. Oder ich überfahre es mit dem Batmobil. In der Realität sieht es anders aus. Da greift man zur politischen Ignoranz. Quasi: " Da war doch wer? Hab mich geirrt. Es war nur ein Hydrant mit etwas Hundekot."

18.3.19 19:55, kommentieren

Von Frauen und anderen Extremen

Da bin ich wieder. Angemeldet in einer Singles- App, von denen ich eigentlich zu seiner Zeit feierlich abschwor. Doch man kennt das ja: alte Versprechen wirft man, ähnlich wie gute Vorsätze, bei der nächsten Gelegenheit gern über Bord. Über das Für und Wider von Singles- Apps muss ich nicht diskutieren. Da helfen ältere Blogeinträge sicher mehr. Aber ich bin von den dortigen Frauen sehr überrascht. Wo sind die netten Mädchen von nebenan? Die bodenständigen? Die einfachen? Die liebenswerten? Jetzt sind alle plötzlich vegane Trendsetter, multilingual, Globetrotter, Schampusschwenker, tiefsinnige Kulturkritiker, Freizeitphilosophen, Glückskeksautorinnen, Extremsportler und so weiter. Sie machen Handstand auf einem Surfbrett, Yoga im Wald oder balancieren auf einer Slackline. Nichts ist einfach nur noch Leben. Das Leben muss gefeiert, inszeniert, zelebriert werden. Wer da nicht mithält, ist out. Warum suchen solche Frauen eigentlich nach Männern? Soll er das Surfboard wachsen oder die Slackline spannen? Oder zu Hause die Rassekatze und die Adoptivkinder pflegen, während sie mit Panzerfäusten jonglierend auf einem brennenden Pony Purzelbäume schlägt? Groß muss der Mann sein. Langes Haar, keinen Bart und keine Brille haben. Also quasi immer das Gegenteil von mir. Ich habe mal im Internet nach Trainingsmethoden gesucht, die die Körpergröße in weniger als 8 Wochen um 15 Zentimeter erhöhen. Dass ist aber alles recht unseriös, finde ich. Aber ich bleibe am Ball. Jetzt muss ich erst einmal einen Termin zur Haartransplantation und zum Augenlasern machen. Dann bin ich endlich der, den alle haben wollen.

3 Kommentare 10.3.19 17:16, kommentieren

Plötzlich sind Frauen wieder doof

Es ist Samstag. Der Wecker klingelt um 8. Ich packe Kisten und Müllsäcke. Nein, ich ziehe nicht um. Aber mit meiner Freundin ist Schluss. Nach 2 Jahren, 3 Monaten und 23 Tagen, drei Beinahetrennungen, unzählige Streitereien, ging eine weitere Beziehung in die Brüche. Als sie vor zwei Jahren gestand, dass sie Boarderlinerin ist, dachte ich noch: Das schaffe ich schon. Doch systematisch wurde ich weiter und weiter von ihr weggeschoben, bis so viel Luft zwischen uns war, dass da plötzlich Platz für ein Tropical Island wäre. Oder für einen neuen Freund, den sie ja dann auch schon nebenbei warmhielt.

Wer im Internet mal nach Boarderline und Beziehung googelt, wird immer auf eine Aussage treffen: Lauf!

Klar, kann man nicht jeden Menschen mit der Krankheit für beziehungsunfähig erklären, doch gewisse Neigungen werden eine gemeinsame Zukunft fast unmöglich machen. Also gingen wir getrennte Wege. Ein fremdes Auto parkte auf der Einfahrt und ihr Neuer stieg aus. Gemeinsam trugen sie ihre Habseligkeiten aus dem Treppenhaus nach unten. Ich hatte ihre Sachen vor die Haustür gestellt und konnte so der ganzen Unannehmlichkeit entgehen.

Was liegt jetzt vor mir? Vermutlich die üblichen Demütigungen der Singleapps, hoffnungslose Versuche, in der Disco jemanden anzusprechen und die Frage, ob ich jetzt wieder 22 Monate oder gar länger allein lebe. Spaziergänge in denen man vermutlich von gecasteten Paaren nur so umzingelt wird.

16 Millionen Singles in Deutschland. Das ist eine Zahl, die deutlich macht, wie schnelllebig und wegwerfbar Beziehungen geworden sind. Warum noch daran arbeiten, wenn man per Mausklick schon einen neuen Kandidaten hat. Ich habe Angst vor der Zukunft, in der jeder sich selbst der nächste ist. In der das Leistungsprinzip einmal mehr zum Faktor wird. Nun, mein Nachfolger ist ein Besserverdiener, der sich für eine Rallye mal schnell ein spezielles Auto gekauft hat. Also zu viel Freizeit und zu viel Geld. Perfekt, um sich ins gemachte Nest zu setzten.

Ich vermisse sie nicht, die 22 Monate, in denen ich glaubte, dass ich bei Frauen genau so beliebt bin, wie Brustkrebs. Meine Eltern wissen Bescheid. Die Sache mit Enkelkindern wird wohl nicht mehr passieren. Mit fast 37 werde ich wohl kaum zur zukünftigen Familienplanung kommen. Ist auch keine Zeit mehr dafür, wo ich erst einmal der Meinung bin, dass alle Frauen doof sind. Eben, wie damals in der Schule. Ob sich das je ändert, sehe ich vielleicht in 22 Monaten oder so...

2.3.19 16:52, kommentieren

Der Tod und das Mädchen

Wie geht man mit dem Tod um? Das habe ich mich öfter gefragt.Nicht, weil ich mit 36 schon über das Sterben nachgedacht habe. Aber, wenn man schon einmal auf einer Beerdigung war, kennt man das Gefühl. Die Frage. Was kommt danach? Wo gehen wir hin? Für gewöhnlich sind die Menschen, die beerdigt werden, älter als ich. Viel älter. Doch nicht dieses Mal. Ich stehe vor einem weißen Kindersarg. Ein befreundetes Paar sitzt in der ersten Reihe der Kapelle. Wie kann so etwas passieren? Ihre Tochter, keinen Monat alt, starb noch im Krankenhaus an den Folgen eines schweren Geburtsfehlers. Ich sitze da und betrachte die Blumen, das gerahmte Foto und den makellosen, viel zu kleinen Sarg. Da liegt kein Mensch drin, denke ich. Zumindest kein Mensch, der je richtig lebte. Dessen Füße durch die Welt gingen, dessen Stimme und Lachen in meiner Erinnerung waren.

Das war zu früh. Ohne Sinn. Ungerecht. Die Eltern- am Boden zerstört. Sie haben für immer die Erinnerung, ein Kind zu Grabe getragen zu haben. Etwas, dass man absolut niemanden Wünschen würde. Was sagt man zu ihnen? Das wird schon wieder? Die Zeit heilt alle Wunden? Ich glaube, diesmal nicht.

Meine Oma hat ihren Sohn beerdigt, als dieser mit 38 Jahren gestorben ist. Woran, wissen wir alle nicht. Was meinem Onkel gesundheitlich passiert ist, wissen nur die Ärzte. Er war einfach tot. Danach war unsere Familie nicht mehr die selbe. Familienfeiern waren anders. Meine Großeltern wollten nicht, dass ihre Kinder vor ihnen gehen. Doch ein Sohn tat es. Jetzt liegen sie alle drei vereint in einem Grab. Ich war bei allen Beerdigungen. Doch nichts ist mit einem Kindergrab gleichzusetzen. Noch immer weiß ich nicht, was ich sagen oder tun kann. Nur stumm dastehen und zuhören. Da sein. Das kann ich tun. Aber niemals werde ich sagen, dass ich weiß, wie sie sich fühlen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie ein anderes Kind im Arm halten oder zur Schule bringen. Doch es wird eines Tages erfahren müssen, dass es mal eine Schwester gab. Vor vielen Jahren. Ein Kind, dass starb, bevor es richtig leben durfte.

6.2.19 01:03, kommentieren

Ein Tattoo zum Mitnehmen, bitte!

Wer kennt sie nicht, die Herren im Fitnessstudio, die Sportler im Fernsehen und die Rockstars auf der Bühne! Alle haben sie bunte Bildchen auf dem Bizeps. Vorbei das Klischee des Exsträflings oder Piraten, der mit Anker, Mutti- Herz oder barbusiger Meerjungfrau die schöne Zeit seines Strafvollzugs auf dem haarigen Unterarm verewigt.

Tattoos sind längst im Mainstream angekommen. Seit Jahren trieb mich der Wunsch ebenfalls, mir ein nettes Motiv auf der Pelle zuzulegen. Nicht so ein Knastding oder ein Hinterhoftattoo, dass jemand mal nebenbei in seiner Bude sticht, so ganz ohne Hygiene oder Fachkenntnisse. Es sollte schon eine professionelle Arbeit sein. Ein Freund empfahl mir ein richtiges Tattoostudio. Also fuhren wir mal hin. Die Stadt ist ja voller netter Studios. Ich trug meinen Wunsch vor und bekam einen Termin und eine echt schöne Vorzeichnung.

Zwei Monate später lag ich dann auf einer Liege und die Nadel begann zu brummen. Drei Fragen tauchten in meinem Hirn auf:

1. Wird mir das fertige Tattoo gefallen?

2. Reagiert meine Haut auf die Belastung ohne Komplikationen?

3. Halte ich den Schmerz überhaupt aus?

Als die Nadel auf mein zartes Fleisch traf, wurde zumindest die dritte Frage sofort beantwortet. Der Schmerz war zwar nicht angenehm aber aushaltbar, fast wie Volksmusik. Nach fast drei Stunden war das Kunstwerk fertig. Und was soll ich sagen? Das Ergebnis war all die Mühe wert. Was jetzt kommt, ist die Nachpflege. Abwaschen, eincremen, kein Sport, kein Schwitzen. Ein Prozess, der sich noch einige Wochen hinziehen wird. Vor allem das Sportverbot fällt mir sehr schwer. Aber wer will schon, dass durch Schweiß und reibende Kleidung das zerstört wird, was mir mühsam auf die Epidermis gestochen wurde. Also bleibt man eben eisern. Ist wie mit schwangeren Frauen und dem Nichtrauchen. Nur halt weniger als 9 Monate.

Ob ich mir auch ein zweites machen lassen würde? Vermutlich. Aber das sollte dann schon ein Motiv sein, dass mir auch etwas bedeutet. Nicht, dass ich dann auch einen Anker oder eine Meerjungfrau auf der Schulter habe.

1 Kommentar 9.12.18 23:21, kommentieren

Fitness im Weltraum

Ein Fitnessstudio ist für mich wie eine Partnerin: man kennt sich in und auswendig, weiß die guten und schlechten Seiten zu schätzen und ist perfekt aufeinander eingespielt.

Jetzt kam es, wie es kommen musste. Es stand die Trennung an. Mein Studio, dass ich 8 Jahre lang besuchte, machte plötzlich dicht. Da stand ich nun. Die einzige Chance, etwas gegen innere Trägheit, Arbeit ohne Bewegung und nächtliche Naschanfälle zu tun, war dahin.

Ich bin keiner von diesen Diskopumpern, die vor dem Spiegel, selbstverliebt den eigenen Bizeps küssen, oder beim Anblick ihres eigenen Waschbrettbauches einen Lusttropfen absondern.Ich bin eher der kleine Dicke, der auf dem Crosstrainer hin und hergeschleudert wird und dem auch mal ein Gewicht aus der Hand rutscht. Aber mein Blutzucker war okay und das Übergewicht war recht gut im Griff.

Doch damit war es jetzt vorbei. Ganze 6 Monate brauchte ich, um mich aufzuraffen, um ein neues Studio zu finden. Doch wie mit der Ex, wird man mäkelig und fängt an, alles mit der alten Partnerin zu vergleichen. Mein Studio war aber billiger, größer oder familiärer. Ich will nicht in eine Legebatterie mit schwitzenden Hähnchen.

Direkt vor der Haustür gibt es einen Fitnessladen, der super nah dran wäre. Gerade mal 500 Meter von der Haustüre entfernt. Doch für diesen kleinen Laden kostet der Spaß dann doppelt so viel, wie die Ex.

Also weiter gesucht. Diesmal 20 Minuten zu Fuß entfernt steht ein Glas- Betonwürfel mit viel Bunt. Eine Fleischfabrik, wo alles nach Fließband aussieht aber eben nur die Hälfte kostet. Getränke und Kurse inklusive. Zwar wird man hier alleine gelassen, hat aber auch seine Ruhe. Also habe ich mich angemeldet und schon ging es los. Die Geräte wirkten wie der Laden, auf dem neusten Stand. Als würde ich bei der Sternenflotte trainieren und gerade in einem Raumschiff stehen. Moderne Geräte mit weicher Führung, guten Polstern und so viel Schnickschnack, dass man wahrscheinlich einen Transformer daraus bauen könnte. Einige Gesichter kommen mir bekannt vor. Meistens die Pumper aus dem alten Laden. Wir sind wohl alle auf der Suche nach etwas Neuem gewesen.Jetzt habe ich Muskelkater. Es macht Spaß in diesem Raumschiff zu trainieren.

5.4.18 21:31, kommentieren

#jetzt reicht es!

Vielen Dank Harvey Weinstein. Ich verstehe, dass mit einer gewissen Machtposition ein Mensch zum Idioten wird. Ein Hollywoodproduzent, der seine Schauspielerinnen belästigt ist böse. Seinen Dödel in der Umkleidekabine auszupacken und einer Darstellerin hinzuhalten, ist sehr böse. Sich an einen minderjährigen Jungen heranzumachen, wie Kevin Spacey, ist ultra böse! Doch haben sich die Grenzen zwischen böse und moralisch bedenklich aufgeweicht und nun steht jeder Mann, der mal einer Frau irgendwas schlüpfriges gesagt hat oder seine Hand auf ihren Arm legte, automatisch vor Gericht.

Aus #metoo wurde so eine Hexenjagd, die nun über allen Veranstaltungen, Preisverleihungen und öffentlichen Auftritten, einer Gewitterwolke gleich, schwebt und droht.

Es ist mal wieder eine Feministenbewegung geworden. Jetzt geht es nicht mehr um Täter und Opfer- jetzt geht es ums Prinzip.

Was hat die Tatsache, dass bei einer Musikpreisverleihung zu wenige weibliche Künstler nominiert wurden, mit Missbrauch zu tun? Natürlich geht es um Gleichberechtigung. Doch das trennt man jetzt nicht mehr.

Ich bin ein friedlicher Zeitgenosse, aber was da jetzt abgeht, ist nur noch lächerlich. Hip Hop wird angeprangert, weil er frauenfeindlich ist. Das Wort "Bitch" ist jetzt ein Grund für #metoo. Wie bitte? Hip Hop ist frauenfeindlich? Was für eine neue Erkenntnis. Da werden Songtexte aus dem Zusammenhang heraus zitiert und mit dem Finger auf Jay- Z; Eminem und Snoop Dogg gezeigt. Übrigens sind Rap Texte auch rassistisch, gewalttätig und verherrlichen Drogenkonsum, aber bitte lasst die Frauen in Ruhe!

Bitte versteht mich nicht falsch: Missbrauch und Vergewaltigung sind nicht zu tolerieren. Aber jetzt werden Opfer als Mittel zum Zweck missbraucht. Längst geht es nicht mehr um Leute wie Harvey Weinstein. Jetzt ist jeder Mann dran, der irgendwann auch nur irgendwas zu irgendwem gesagt hat. Das ist lächerlich. Aber wie mit jeder Empörungswelle, ist das alles in wenigen Monaten einfach vergessen. Und das ist das ganze Problem. Denn um die armen Frauen scheint es jetzt auch gar nicht mehr zu gehen.

5.2.18 19:38, kommentieren

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