Musik und Schnauze halten

Jeden Donnerstag zieht es mich ein wenig zur Kultur. Dann sitze ich in einem Club, wo Straßenmusiker auftreten. Ich bin dann nicht von einem Hipster zu unterscheiden. Bart? Check! Club Mate? Check! Chucks? Check! Holzfällerhemd? Check! Dummes Gesabbel? Che... nö!

Hier treffen sich viele StudentInnen und schwafeln viel über die großen Probleme unserer Generation, die sie durch vegane Ernährung und Kiffen zu lösen gedenken. Während der scheue Straßengitarrist versucht, seine Musik darzubieten, prosten sich die Mädels am Tisch vor der Bühne laut zu. Der Musiker wird unruhig. Er greift zum Mikrofon: " Der nächste Song ist sehr leise und gefühlvoll. Ich finde es toll, dass ihr euch unterhaltet, seid aber bitte jetzt still!" Autsch! Eine Rüge vom Sänger. Doch hat er Recht? Wieso kann sich keiner mehr auf schöne Musik und Gesang konzentrieren? Die 2-Mann Band aus Gitarrist/ Sänger und einem Schlagzeuger, der auf einer Cajon sitzt und sich einen abtrommelt, ist wirklich gut. Ich wippe mit dem Fuß und nicke mit dem Kopf. Kurzum: ich gehe voll ab!

Dennoch frage ich mich, wann den Menschen der Sinn für das Schöne abhanden gekommen ist. Sind alle nur hier, um ihren Facebookstatus zu aktualisieren? Kann keiner mehr einfach nur still sein und die Ohren öffnen? Wo ist die Neugier und die Auffassungsgabe geblieben, die wir als Kinder hatten, bevor uns Handys zu Smombies gemacht haben. "The walking dead" ist in Gebieten mit kostenlosem WLAN doch längst Realität geworden.

Ich sehe in den Straßen nur noch Leute, die ohne Handy keine zwei Meter weit kommen. Ein Grund mehr, dass ich kein Pokémon Go mehr spiele! Wie soll man fremde Frauen anlächeln, wenn sie nicht mehr geradeaus schauen? Es ist eine verrückte Welt. Und so muss sich auch der Musiker fühlen, der scheinbar nicht für ein Publikum spielt, sondern mehr für sich. Es hört ihm ja doch keiner zu.

10.4.19 22:44

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


PP / Website (11.4.19 08:44)
Die Holzfällerhemden haben schon länger Hochkonjunktur. Mein Nachbar trägt sie nur.

Schöner und bedenkeswerter Beitrag. Frauen ansprechen ist heute schwer auf offener Wildbahn bzw. auf der Straße oder der Bushaltestelle: Alle sind Ohrverstöpselt und/oder checken ihre 148 Mails.

Ich steh hier real in Fleisch und Blut, aber sie würden mich nur sehen, hätte ich ein Tinder-Profil.

Verkehrte Welt .. LG Sven


zartgewebt / Website (4.7.19 12:45)
Bin da ganz bei dir. ;-)

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