am 11.11.

Heute ist ein besonderer Tag. Nein, nicht dieser Karneval, mit dem man mich schon in der Schule genervt hat. Da wurden wir Punkt 11 Uhr 11 in der Turnhalle versammelt, um uns ein heiteres Schulprogramm anzusehen, dass irgendwo zwischen Fremdscham und Schadenfreude mäanderte.

Heute vor genau 19 Jahren kam ich mit meiner damaligen Freundin zusammen. Es sollte die längste Beziehung meines Lebens mit der schönsten Frau meines Lebens werden. Seit 4 Jahren sind wir getrennt und trotzdem werde ich am 11.11. sehr melancholisch. Wie sehr fehlt sie mir. Wie sehr habe ich sie geliebt. Den Duft ihres Haars, der Klang ihrer Stimme, das alles ist längst vergessen. Gäbe es die Fotos aus meiner Vergangenheit nicht, hätte ich auch ihr Gesicht vergessen. Denn alles verblasst mit der Zeit.

Mit Gedenktagen habe ich es sonst nicht so. 30 Jahre Mauerfall ging ja auch an mir vorüber. Ich hatte ja auch nichts mit der Mauer zu tun. Ich habe nicht demonstriert und "Wir sind das Volk" gerufen, bevor uns PEGIDA diese Parole für immer versaut hat. Ich war ein unpolitischer Zweitklässler, der genug Probleme damit hatte, sich das Pionierhalsband vernünftig zu knoten. Das war wohl das politischste, was ich damals getan habe, mit meinen 7 Jahren.

Nein, Mauern kommen und gehen. So wird es immer sein. Aber die große Liebe? Wie oft wird man sich noch verlieben? Mit Ende 30 glaube ich nicht mehr an die Liebe. Da glaube ich eher an Mutanten oder die Expendables. Liebe ist in unserer Zeit der Effizienz gewichen. Work-Life- Balance bekommt eine Love-Life-Balance dazu. Alles muss stimmen- alles muss passen. Alles ist zum Kotzen!

Angeblich würden Frauen ab Ende 30 jeden Typen nehmen, der sie noch schwängern kann. Damit die biologische Uhr ausgetrickst wird. Aber will ich mit einer Frau zusammen sein, die mich gar nicht liebt? Die lieber mich erträgt, als Einsamkeit? Grausiger Gedanke. Eine Zweckehe. So was kennt man doch nur aus Jane Austen Filmen. Aber vielleicht habe ich da ja auch nur stolze Vorurteile. Gibt es Liebe noch? Für Leute wie uns? So die alten Romantiker? Die es cool fanden, dass William Wallace in Braveheart die Distel von seiner Jugendfreundin aufbewahrt hat? Vielleicht sind wir eben in einer anderen Zeit. Die Ära der Leistung. Schöne, leistungsfähige Menschen, die sich zur Schaffung noch perfekterer Nachkommen zusammentun. Quasi ein steriler Equilibrium- Albtraum. Nur ohne Christian Bale eben.

Seit meiner Trennung von Mrs. Perfekt habe ich mich verändert. Vollbart, Tattoos, Tanzkurse und neue Hobbys. Kurzum, ich habe mich entwickelt. Doch reicht das? Sie richtig loslassen konnte ich trotzdem nie. Denn es gab einfach keine Frau, die besser war. Und solange ich nicht an eine Frau gerate, die mich liebt, habe ich eben immer noch diesen Gedenktag. An eine Zeit, in der ich alles hatte und es nicht halten konnte. Auf die Narren!

11.11.19 23:39

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