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Gestatten, mich vorzustellen: freundlicher, lustiger Kerl mit geringer Statur und grosser Klappe. An dieser Stelle sollten jetzt meine sportlichen Erfolge und Auszeichnungen stehen. Aber ausser einer Teilnahme- Urkunde des deutschen Sportfestes 1998 habe ich da nichts vorzuweisen.

Alter: 37
 


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Die Macht des Netzes

Wer hätte gedacht, dass es mit Internet und (a)sozialen Netzwerken so krass zugehen würde. Gedeckt von einem Mantel der Anonymität, nutzen einige wenige die Gunst der Stunde, um ihrem Unmut mit wenig Feingefühl Luft zu machen. Generell spricht ja eigentlich nichts gegen freie Meinungsäußerung. Aber was ist, wenn aus Kritik eine Drohung oder Aufforderung zu gewalttätigem Verhalten wird? Seit wann sind Menschen nicht mehr in der Verantwortung was sie sagen oder zu wem? Ob es jetzt bei veganer Ernährung, Umweltschutz, Feminismus oder Star Wars ist: aus Anhängern werden wahre Fanatiker, die der Meinung sind, wer nicht mit ihnen ist, sei gegen sie. Irgendwie seltsam, wie wichtig sich jetzt jeder hinter einer PC- Tastatur fühlt. Gut. Geht es nach Politikern, ist das Internet an allem Schuld. Aber das Internet ist weder eine Person, noch eine göttliche Kreatur, die uns lenkt. Das Internet ist genau so an allem Schuld, wie ein Dienstag, schlechtes Wetter oder eine Staubfluse. Da kann wenig von Schuld oder Unschuld die Rede sein. Es sind Menschen, die Schuld sind. Weil sie meinen, nicht verantwortlich für ihre Taten zu sein. Sie würden gewisse Dinge nur online schreiben, statt sie jemanden ins Gesicht zu sagen. Weil sie sonst etwas in selbiges geschlagen bekämen. Und das mit Recht. "Du bist ein Arsch!" Wumms!!! "Aua, du hast mir die Nase gebrochen!!!"- und Stille. Schön.Ich bin diese ganzen Diskussionen leid. Böller verursachen Feinstaub, Tannenbäume verursachen leere Wälder, ein Mettbrötchen mit Zwiebeln führt uns zum Weltuntergang. Nee, is klar. Greta mag ja das Meer mit einem Segelboot überquert haben. Aber ihre Anhänger haben teure Smartphones, Zentralheizung und werden mit einem SUV zum Ballett gefahren. Wer gern gegen andere nörgeln und urteilen mag, sollte erst einmal schauen, was man selbst tun kann. Ich finde es cool, wenn sich Schulkinder protestierend für die Umwelt einsetzen, aber lasst mich bitte in Ruhe. Ich rauche nicht- werfe also keine Kippen in der Gegend rum. Ich fahre mit der Straßenbahn- produziere keine Abgase, außer nach Weißkohl und Zwiebeln. Ich trenne meinen Müll, vermeide Verpackungen, wo es geht und werfe nichts in der Gegend herum. Aber weil ich einmal im Jahr in den Urlaub fliege, statt über das Mittelmeer mit dem Tretboot zu schippern, bin ich jetzt auf der Dunklen Seite.Aber worüber sich aufregen? Es ist alles nur eine Modeerscheinung, sich künstlich über alles aufzuregen. Meine Oma war keine Umweltsau. Sie hatte ganz andere Sorgen. Dennoch kann ich mich weder über Omas aufregen, noch über singende Kinder, die sich über irgendeine fiktive Großmutter aufregen. Es sollten alle mal wieder runterkommen. Bleibt auf dem Teppich. Oder ist der auch nicht mehr gut für die Umwelt?

11.1.20 14:03, kommentieren

lasst es krachen

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Woran ich das merke? Am Kalender? Dem Weihnachtsspeck? Ich merke es eher daran, dass seit gestern das Feuerwerk im Verkauf ist. Und da es auf der Welt genügend dämliche Idioten gibt, wird deshalb auch seit gestern mit Böllern aus dem Fenster geschmissen, als wäre das völlig normal.

Dabei ist es mit dem Feuerwerk schon schwierig genug. Einige meinen, dass die arme Natur unter dem Lärm leidet. Und man möchte ihnen entgegen rufen, dass es nur ein Tag im Jahr ist, an dem es mal laut wird. Doch da wären eben beschriebene Idioten vom oberen Absatz. Diese machen ja tagelang nix anderes und zeigen, dass man tonnenweise Geld für Knallerei ausgeben kann, statt es in erneuerbare Energien zu investieren oder ein Stück Regenwald zu kaufen.

Klar, sollte einem die Umwelt am Herzen liegen. Deshalb habe ich abends nur in dem Zimmer Licht an, wo ich mich aufhalte, drücke die Spartaste beim Spülkasten, lasse das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen. Ich trenne Müll, versuche nichts in der Natur herumzuwerfen und lasse Tiere in freier Wildbahn in Ruhe.

Doch ich sehe Leute, die mit laufendem Motor vorm Haus warten, dass der Kumpel endlich runterkommt. Ich war im Kino auf dem Klo und musste erst einmal einen Wasserhahn zudrehen, da jemand diesen hat einfach laufen lassen. Ich sehe Kinder, die mit Steinen nach Schwanenjungen werfen und die Eltern nicht eingreifen. Ich sehe auf meinem Arbeitsweg Glasscherben und Wurstverpackungen auf dem Fußweg liegen. Ich sehe Leute, die das ganze Jahr über Arschlöcher zur Umwelt sind. Und jetzt muss ich mich verteidigen, warum ich ein anständiges Silvester- Feuerwerk cool finde. Es hat mit Tradition zu tun. Ich sammle meine abgefackelten Batterien nach Benutzung auch wieder ein.

Krieg macht übrigens auch Dreck, Lärm und verschreckt die Tiere- vom Menschen ganz zu schweigen. Das ist mehrere Tage im Jahr so. Verhindert wird es nicht. Bomben sind lauter als Böller. Doch daran stört sich keiner.

Liebe Umweltschützer: lasst mich einfach mal am Jahresende in Ruhe. Mein 2019 war ein mieses Jahr voller Ärger, Trauer und Verlust. Lasst mich doch einfach mal die bösen Geister mit Schwarzpulver und Magnesiumfontänen vertreiben. Gönnt mir doch einmal den Spaß. Den Rest des Jahres bin ich dann wieder nett zu meiner Umwelt und mache keinen Lärm. Versprochen.

30.12.19 00:31, kommentieren

Zurück zum Gamepad

Was tun, wenn man Single und Ende 30 ist? Was fängt man mit seiner Freizeit an? Besonders an den kalten Tagen zieht es einen wenig nach draußen. Aus diesem Grunde habe ich mich in einen Games- Laden verirrt und für ein paar Euro eine gute Handvoll Spiele ergattert.

Noch vor einigen Jahren flaute bei mir das Gamerherz ab. Die letzten durchgezockten Wochenende mit Final Fantasy X oder Diablo 2 liegen schon Ewigkeiten zurück. Ich dachte, ich wäre langsam zu alt fürs Spielen. Aber gerade jetzt, wo nichts besseres zu Tun ist, macht es Spaß, wieder ein paar Stunden in gute Spiele zu investieren. Und was soll ich sagen? Es lohnt sich! Filmreife Grafiken, komplexe Geschichten und stundenlanges Gameplay reizen mich schon sehr. Und wenn man ehrlich ist, hat man seine Zockervorlieben doch nur für die Damenwelt sausen lassen. Tja, die Spiele sind noch da, die Frauen nicht. Was also ist die bessere Investition gewesen? Wenn im neuen Jahr mein Fernlehrgang beendet ist und ich, ohne schlechtes Gewissen meine Feierabend so gestalten darf, wie ich will - also ohne Lernen und Prüfungen- dann darf die ganze Liste durchgearbeitet werden. Ich bin gespannt, wie viel ich da schaffe. Und die Suche nach den Frauen? Sagen wir es mal so: Ich war mit meinem Handy heute im Appstore und dachte kurz daran, mir wieder eine Datingapp zuzulegen. Ich habe mich dann für ein neues Mobilegame entschieden. Soviel zum Thema Frauen!

22.12.19 14:50, kommentieren

Du hast Post

Gerade im heutigen digitalen Zeitalter schreibt kaum noch einer mit Tinte auf Papier. Wer noch etwas im Briefkasten hat, bekommt meistens Rechnungen, Mahnungen oder Pizza- Flyer. Eine Postkarte ist mal dabei, wenn Freunde im Urlaub waren. Ein Brief ist schon gar nicht mehr dabei.

Wie schön, dass es noch so etwas wie postcrossing gibt. Eine Website, die sich darum bemüht, dass man sich mehr schreibt. Man registriert sich mit seiner Adresse, befüllt ein Profil mit Interessen und einer kleinen Lebensgeschichte und schon kann es losgehen. Per Zufall zieht man eine Adresse von jemandem, dem man jetzt schreiben darf. Das kann eine Person sein, die irgendwo am anderen Ende der Welt, meistens den USA oder Russland, sitzt und nun auf deine Postkarte wartet.

Also besorgt man sich hübsche, teils künstlerische Postkarten, sucht sich eine ansprechende Briefmarke aus und schreibt, was einem so in den Sinn kommt. Nicht lange darauf, erhält man dann auch Postkarten. Dies kann dann auch von jemandem auf der anderen Halbkugel, meistens USA oder Russland, sein.

Ja, die beiden Supermächte sind auch auf postcrossing fleißig. Aber auch China ist mit dabei. Immerhin ist im Ausland das Internet besser, weil man es dort auch an jeder Milchkanne hat.

Für Sammler von hübschen Postkarten ist das auf jeden Fall eine ganz tolle Sache. Gerade heutzutage, wo einem keiner mehr schreibt, ist es schön, dass sich fremde Personen überlegen, welche Karte dir wohl gefällt oder was für Geschichten dich interessieren. Und im Dezember gibt es noch einen Bonus: für jede gesendete Karte gibt es diesen Monat 10 Cent für die Stiftung lesen. Man tut also was Gutes und auch der Postbote freut sich über etwas mehr Arbeit. Schön, dass es so was gibt. Ich freue mich jedenfalls öfter, wenn ich zum Briefkasten komme. Wer weiß, vielleicht hat jemand völlig fremdes aus dem Ausland an mich gedacht?

11.12.19 00:00, kommentieren

die erste Tür

Ja, dass Jahr verfliegt. Eben noch habe ich auf einer Brücke ein paar Raketen in den Silvesterhimmel gejagt und nun öffne ich die erste Tür meines Adventskalenders. Darin ein schokoladiger Schlittschuh. Gab es im September zwar schon Lebkuchen und Spekulatius im Supermarkt, ist für mich erst heute zum 1. Advent die Vorweihnachtszeit eröffnet. So richtig nach Weihnachten ist mir aber nicht. Mein Vater ist im Krankenhaus und mein Beziehungsstatus ist "Ewiger Single". Da kann man sich ja vorstellen, wie oft einem nach "Oh du Fröhliche" ist.

Vor allem aber die Schnelllebigkeit macht mir Sorgen. So fix ging ein Jahr noch nie. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Nur noch wenige Wochen, dann ist 2019 abgehakt. Meine Weiterbildung ist fast abgeschlossen und dann heißt es nach dem Dienst endlich: kein Lernen, keine Prüfungsaufgaben und kein schlechtes Gewissen mehr.

Eigentlich eine tolle Sache, möchte man meinen. Doch so richtig freuen kann ich mich noch nicht. Gerade jetzt, wo es draußen kalt und ungemütlich wird, ziehe ich mich in meine Stube zurück. Die Paare schieben sich glückselig von Glühweinstand zu Glühweinstand und werfen sich romantische Blicke zu. Kinder kreische, weil der Weihnachtsmann auf der Bühne steht und geduldig lauscht, wie die Waldorfschüler versuchen "Oh Tannenbaum" zu versemmeln. Das alles ist ganz toll und überhaupt der beste Grund, sich noch mehr Glühwein in den Kessel zu kippen. Ja, die Jahresendzeit führt es einem immer vor Augen: Was hast du erreicht, was gewonnen, was verloren. Dieses Jahr war einfach kein Wonnejahr. Ich hoffe, ich kann es schnell hinter mir lassen. Aber wer weiß? Vielleicht wird 2020 ja auch nicht der Hit.

1.12.19 16:53, kommentieren

am 11.11.

Heute ist ein besonderer Tag. Nein, nicht dieser Karneval, mit dem man mich schon in der Schule genervt hat. Da wurden wir Punkt 11 Uhr 11 in der Turnhalle versammelt, um uns ein heiteres Schulprogramm anzusehen, dass irgendwo zwischen Fremdscham und Schadenfreude mäanderte.

Heute vor genau 19 Jahren kam ich mit meiner damaligen Freundin zusammen. Es sollte die längste Beziehung meines Lebens mit der schönsten Frau meines Lebens werden. Seit 4 Jahren sind wir getrennt und trotzdem werde ich am 11.11. sehr melancholisch. Wie sehr fehlt sie mir. Wie sehr habe ich sie geliebt. Den Duft ihres Haars, der Klang ihrer Stimme, das alles ist längst vergessen. Gäbe es die Fotos aus meiner Vergangenheit nicht, hätte ich auch ihr Gesicht vergessen. Denn alles verblasst mit der Zeit.

Mit Gedenktagen habe ich es sonst nicht so. 30 Jahre Mauerfall ging ja auch an mir vorüber. Ich hatte ja auch nichts mit der Mauer zu tun. Ich habe nicht demonstriert und "Wir sind das Volk" gerufen, bevor uns PEGIDA diese Parole für immer versaut hat. Ich war ein unpolitischer Zweitklässler, der genug Probleme damit hatte, sich das Pionierhalsband vernünftig zu knoten. Das war wohl das politischste, was ich damals getan habe, mit meinen 7 Jahren.

Nein, Mauern kommen und gehen. So wird es immer sein. Aber die große Liebe? Wie oft wird man sich noch verlieben? Mit Ende 30 glaube ich nicht mehr an die Liebe. Da glaube ich eher an Mutanten oder die Expendables. Liebe ist in unserer Zeit der Effizienz gewichen. Work-Life- Balance bekommt eine Love-Life-Balance dazu. Alles muss stimmen- alles muss passen. Alles ist zum Kotzen!

Angeblich würden Frauen ab Ende 30 jeden Typen nehmen, der sie noch schwängern kann. Damit die biologische Uhr ausgetrickst wird. Aber will ich mit einer Frau zusammen sein, die mich gar nicht liebt? Die lieber mich erträgt, als Einsamkeit? Grausiger Gedanke. Eine Zweckehe. So was kennt man doch nur aus Jane Austen Filmen. Aber vielleicht habe ich da ja auch nur stolze Vorurteile. Gibt es Liebe noch? Für Leute wie uns? So die alten Romantiker? Die es cool fanden, dass William Wallace in Braveheart die Distel von seiner Jugendfreundin aufbewahrt hat? Vielleicht sind wir eben in einer anderen Zeit. Die Ära der Leistung. Schöne, leistungsfähige Menschen, die sich zur Schaffung noch perfekterer Nachkommen zusammentun. Quasi ein steriler Equilibrium- Albtraum. Nur ohne Christian Bale eben.

Seit meiner Trennung von Mrs. Perfekt habe ich mich verändert. Vollbart, Tattoos, Tanzkurse und neue Hobbys. Kurzum, ich habe mich entwickelt. Doch reicht das? Sie richtig loslassen konnte ich trotzdem nie. Denn es gab einfach keine Frau, die besser war. Und solange ich nicht an eine Frau gerate, die mich liebt, habe ich eben immer noch diesen Gedenktag. An eine Zeit, in der ich alles hatte und es nicht halten konnte. Auf die Narren!

11.11.19 23:39, kommentieren

Einmal stechen, die Zweite!

Wir schreiben den 1. Dezember 2018. Ich liege in einem Tattoostudio und lasse mir das erste Motiv stechen. Schon zu der Zeit hatte ich bereits Gedanken daran, wie es wohl weitergeht, waren die Schmerzen doch nicht so qualvoll, wie befürchtet. Wo soll das zweite Stück Körperkunst denn hin? Fast ein Jahr später: Ich liege im selben Studio und man werkelt an Motiv Nummer 2. Die Schmerzen sind aus der "Kenne-ich-schon-hatte-ich-schon- Kategorie". Wieder überlege ich, was wohl mein drittes Motiv werden könnte. Bin ich etwa süchtig geworden? Nach den Schmerzen und der wochenlangen Nachbehandlung plus Sportverbot sicher nicht. Aber als die Nadel meine Haut erstmals traf, war es eine Barriere, die Überschritten wurde. Die Angst vor den Schmerzen und vor einem großen Fehler. Jetzt bin ich natürlich wieder in meiner Nachbehandlung mit der Hautpflege und dem Verzicht auf das Fitnessstudio. Und sollte mich ein neues Motiv oder eine Idee reizen, wer weiß? Vielleicht liege ich ja dann im nächsten Jahr wieder dort und lasse mir Schmerzen zufügen. Attraktiver macht es mich nicht. Und auch cooler werde ich nicht dadurch. Ich bekomme aber eine wichtige Lektion erteilt. Wenn ich mir etwas wünsche, sollte ich es einfach nur machen, statt jahrelang nur darüber zu reden. Wer weiß, wozu ich dann alles kommen werde?Ein Glück für mich, dass ich mir nie den Namen einer Herzensdame habe stechen lassen. Das könnte ja sonst peinlich werden, wo sie doch alle längst über alle Berge sind.

7.11.19 16:23, kommentieren

geschüttelt vor Rührung

Eines Tages fasste ich den Entschluss, einen Film aus meiner früheren Jugend zu sehen. Es war "Big Fish" von Tim Burton. Seiner Zeit als modernes Märchen deklariert, vermochte es der Film mich zu bewegen. Ich hatte ihn in guter Erinnerung. Ich legte also die DVD ein und startete den Film. Bei einer bestimmten Szene, begann ich plötzlich, wie ein Schlosshund zu heulen. Der Film hatte mich, anders als früher, nicht berührt, sondern überwältigt. Eine Welle der Emotionen überrollte mich, wie einst Data in "Treffen der Generationen", als sein Emotionschip aktiviert wurde.Auch mit anderen Filmen passierte es, dass sie mich deutlich mehr mitnahmen, als in meiner Erinnerung gespeichert. Hat mich das Alter weich gespült? Oder bin ich im Laufe der Jahre emotional derart gereift, dass ich erst jetzt verstehen kann, was mir dort gezeigt wird? Waren es die Beziehungen, Trennungen, Beerdigungen und andere Schicksalsschläge, die mich erst jetzt in die Lage versetzen, wirklich zu begreifen, was die Geschichte mit seinen Hauptfiguren anrichtet? Als vor ein paar Tagen mein alter Schulfreund zu Besuch kam, erzählte er mir etwas ähnliches. Er weiß nicht wieso, aber seit Kurzem kann der bei Disneyfilmen ( trotz der männlichen Gegenwehr) nur noch heulen. Passiert das also tatsächlich mit uns Männern im Alter? Haben wir zuvor Frauen belächelt, die in Liebesfilmen zum Taschentuch greifen, sind wir Jahre später endlich auf dem gleichen Niveau. Wir sind emotional ausgewachsen. Das hat ja auch nur 30 Jahre gedauert. Glückwunsch. Wer weiß, wie es mir beim Gucken von Braveheart geht? Da habe ich als Kind schon ein paar Tränen verdrückt. Ich kann nur erahnen, was es jetzt mit mir machen wird.

23.10.19 17:17, kommentieren

Alles Ehe oder was?

Irgendwo am Rande Leipzigs: ich stehe mit meinen Freunden in einer neu gekauften Eigentumswohnung eines befreundeten Pärchens und wir spachteln die alte Rauhfasertapete der Vormieter vom glatten Beton. Dabei kommen wir ins Gespräch über die Ehe. Wie lange haben sich die Eltern oder Großeltern gekannt, ehe sie sich das Jawort gaben? Bei meinen Eltern war es ein Jahr, die Großeltern einer Freundin hatten 3 Tage. Aus beiden Ehen ist übrigens echt was auf Zeit geworden. Eine Tatsache, die für heutige Verhältnisse undenkbar scheint. Jeder braucht Freiraum für eigene Entfaltung und das Korsett einer Ehe scheint da wenig begeisternd zu sein. Für meine Freunde dagegen ist alles gut. Ihr Bauch ist mit einem kleinen Jungen gefüllt, der im nächsten Jahr das Licht der Welt erblickt und finanziell geht es wieder bergauf. Die neue Wohnung mit weißem Gartenzaun im Vorort unterstreicht es nochmal: man ist angekommen. Man ist endlich zu Hause. Vorbei die Zwischenstationen die Umentschlüsse und die Ungewissheit. Man hat sich gefunden. Man möchte beisammen bleiben, bis das Leben glücklich endet. Ein Märchen eben, wo sich Prinz und Prinzessin gefunden haben und Schneewittchen den Zwergen erklärt, dass sie wieder selber kochen und putzen müssen. Neidisch wandert mein Blick zu den Beiden, denen ich bei der Hochzeit beim Baumstammsägen zur Hand ging. Sie gelten für mich als Prototyp einer schönen Beziehung. Dabei standen sie auch einmal vor finsteren Zeiten, wo das Wort Trennung im Raum stand. Doch diesen Sturm haben sie hinter sich gebracht. Mit dem Wissen, dass sie füreinander einstehen. Eine schönes Sache eben. Und ich? Nunja, in ein paar Tagen kommt ein neuer X-Men Film auf Bluray raus und im November gibt es Tattoo Nummer 2. Also hat jeder das, was er verdient, schätze ich.

6.10.19 13:19, kommentieren

Ein Ende kann ein Anfang sein

So ging, glaube ich, ein Schlager. Aber ich hab es nicht so mit Schlagern. Da wurde ich viel von meinen Großeltern gequält. Nur leider haut Eminem selten so was tiefsinniges raus. Obwohl, ist er nicht auch schon über 40? Fast 50? Googelt es mal! Auch dieser ehemalige junge Wilde könnte nun Großvater sein. Gruselig.Aber egal. Ich stehe da nun am Überweisungsautomaten meiner Bank und hämmere die Überweisung meines Tanzkursbeitrages für den Salsaufbaukurs ein, da kommen mir so Gedanken.Habe ich nicht erst nach meiner Trennung mit Ex Nummer 3 mit dem Tanzen angefangen? Und habe ich nicht nach der Trennung von Ex Nummer 2 damit begonnen Italienisch zu lernen? Ich habe sogar neue Freunde kennengelernt. Was für ein Zufall. Auch wenn ich Paare, die händchenhaltend an mir vorbeiturteln am liebsten erwürgen würde, hat mein Singledasein etwas Gutes hervorgebracht. Ich habe mir Hobbys gesucht. Ich kann immernoch ein paar italienische Vokabeln und im Salsa und Bachata werde ich langsam besser. Es kann also nicht alles schlecht gewesen sein. In gewisser Weise möchte ich, den Amerikanern an Thanksgiving gleich, meine Dankbarkeit ausdrücken. Dankbarkeit darüber, dass ich meinen Horizont erweitern konnte, Reisen unternommen habe und neue Freundschaften schließen durfte. Das alles ist mehr wert, als jede meiner Ex- Beziehungen. Die Kunst, etwas Positives in allem zu sehen und ein wenig wie Konfuzius zu werden. Der einmal sagte, dass wenn man hinfällt, eine gute Gelegenheit bekommt, etwas vom Boden aufheben zu können. Und so einen Blickwinkel zu haben, kann einen schon ziemlich gut aus der Krise helfen. Also vorbei das Trübsal und auf zu neuen Abenteuern. Das Leben ist ein Spiel. Zeit, ein paar Skills aufzuleveln.

2 Kommentare 25.9.19 23:35, kommentieren

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